„Sakli Hayatlar“ nochmal in Frankfurt

Posted on 1. Juni 2011

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Sakli Hayatlar

Sakli Hayatlar

Im Juli 1980 kam es in der türkischen Stadt Corum zu einem Pogrom gegen Aleviten. Die Entstehung passt zu der Schablone vom Pogrom in Kahramanmaras. Am 4. und 5. Juli wurden – angestiftet durch die nationalistischen sog. ‚Grauen Wölfe‘ – kurdische Wohnviertel und Dörfer angegriffen. Häuser wurden in Brand gesetzt. Es starben Menschen. Es war nur eine Facette der Einschüchterungspolitik gegen die alevitische Minderheit.

Der Film „Sakli Hayatlar“ erzählt von einer alevitischen Familie, die vor diesem Pogram nach Istanbul flüchtet, um dort festzustellen, dass die  gleichen Vorurteile herrschen. Sie spürt die Ausgrenzung, dargestellt an einem alevitisch-sunnitischen Liebespaar.

 Cinestar, Mainzer Landstraße 681

(http://www.cinestar.de)

ab 26.05.2011, täglich 17.50, 20.30, Fr–So / Di 15.20;  Fr–Sa / Mi 23.00 Uhr

11.11.2011 19:00 UHR FREITAG / CUMA | ORFEO’S ERBEN

Hamburger Alle 45
60486 Frankfurt am Main

Tel: + 49 69 – 707 69 100
Fax: : + 49 69 – 970 84 793
Email: orfeos@fundemental.de

 

01.07.2012 14:00 UHR SONNTAG / PAZAR | ALEVITISCHE GEMEINDE Frankfurt e. V.

An der Steinmühle 16
65934 Frankfurt am Main
Telefon: 069 – 41 91 16
E-Mail: info@alevi-frankfurt.com

Link zum Film: http://www.saklihayatlarmovie.com/

Handlung/Kommentar:

Einer alevitischen Familie bleibt nichts anderes übrig als aus Corum zu fliehen. Da die ältere Tochter Nergis bereits in Istanbul Medizin studiert, fällt die Wahl auf diese Stadt. Vorbeugend um im Falle einer weiter ausufernden Verfolgung noch gut versteckt zu sein, wählt die Familie einen Stadtteil mit überwiegend sunnitschen Einwohnern – so auch ihre Vermieter, die im oberen Stockwerk wohnen. Dort wohnt Murat, der zusammen mit seinem Vater Tevfik und seiner Großmutter Emine. Während Murats Vater ein nationalistisch und konservativ eingestellt ist, tendiert Murat stärker zur linken Strömungen.

Nergis‘ Mutter Zeynep achtet sehr genau darauf, dass die alevitische Identität im Verborgenen bleibt. Doch als sich die alevitische Nergis und der sunnitsche Murat inneinander verlieben, nimmt das „Unheil“ seinen Lauf.

Der Film verliert sich zum Glück nicht in einer pseudo-politischen Diskussion, sondern beschäftigt sich ausschließlich mit der menschlichen Perspektive dieses tiefen Spalts, der sich durch die türkische Gesellschaft erstreckt. Die Mutter Zeynep wurde in Corum fast zu Tode geprügelt, hat die schlechten Erfahrungen gemacht, will ihre Familie schützen. Deshalb verheimlicht sie die alevitische Identität, geht heimlich zum alevitischen Gottesdienst „Cem“ und simuliert im Alltag eine Sunnitin. Als sie erfährt, dass ihre Tochter Nergis in den sunnitischen Murat verliebt ist, setzt sie alles ein, um ihre Tochter von dieser Beziehung abzubringen, weil sie Angst hat, dass ihre Tochter Schaden nimmt. Sie kennt Murat aber nicht wirklich. Murats Vater Tevfik kennt Nergis nicht wirklich. Er ist voller Vorurteile und voller Hass gegenüber diesen aus seiner Sicht „Ungläubigen“. Er agiert aus Unwissenheit und Hass. Manchmal zweifelt er für einen Moment, aber er sieht auch keine Chance, weil auch er sich nicht gegen die Mehrheitsgesellschaft auflehnen will. Er will doch auch nur das „Beste“ für seinen Sohn.

Die Geschichte ist sehr authentisch erzählt. Sie ist nicht nur aus einer wahren Geschichte geboren, nicht nur in den 80’er Jahren erlebt. Sondern das ist türkischer Alltag. Jeden Tag passiert in der Türkei, das was dieser Film erzählt. Auch heute. In den Folgejahren haben die Übergriffe auf die Aleviten nicht abgenommen. Auch heute wird sanktioniert, wer sich traut sich zu seiner alevitischen Identität zu bekennen. In den Schulen gibt es nur sunntischen Unterricht.

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