Vortrag über „die Aleviten“

Posted on 22. August 2011

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Am 29. September ab 20 Uhr hielt Herr Mete Özcan vor einer überschaubaren, interessierten Gruppe von Zuhörern seinen Vortrag über „die Aleviten“ in der ev.-ref. Buchenbuschgemeinde in Neu-Isenburg. Pfarrerin Susanne Lenz hatte eingeladen und moderierte auch. Der Referent Mete Özcan ist selbst Berufsschullehrer in Frankfurt am Main und unterrichtet an einer Grundschule in Hanau montags von 14:30 bis 16:00 die alevitische Religionslehre.

In seinem Vortrag nahm er bezug auf die Vorträge, die bereits in vorherigen Veranstaltungen über Sunniten und Schiiten gehalten wurden. Er wies dabei auf die Unterschiede hin. Özcan nahm bezug auf die heiligen Personen (Ehlibeyt) und stellte das Selbstbild der Aleviten dar:  „Das Alevitentum ist ein humanistischer Glaube. Kernelemente des alevitischen Glaubens sind: Gleichstellung der Geschlechter, Naturverbundenheit, Toleranz, Weltoffenheit, Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft. Im Zentrum der alevitischen Lehre steht der Mensch – doch die Summe alles Lebens und des Kosmus ist Gott.“ Özcan wies auch auf die Entwicklung in der alevitischen Praxis hin, die sich auch den Gegebenheiten in Deutschland anpasst.

Die alevitische Lehre und Tradition wurde aufgrund der politischen Verfolgung und Unterdrückung bis ins 21. Jahrhundert nur mündlich überliefert. Deshalb kann dieser Glaube nicht ausschließlich nach historisch-religiösen Belegen bestimmt werden.

Die Aleviten glauben an ein Wertesystem „Vier Tore – vierzig Stufen“, diese müssen Schritt für Schritt erklimmen (Reifeprozess) – das ist der Weg zur Vervollkommnung. Ein großer Teil dieser Stufen sind Tugenden, die in der Erziehung und Bildung als Ziele vorgeschrieben sind: Fürsorge für Mitmenschen, Liebe und Schutz der Natur, Gutes wollen und umsetzen, das Ego beherrschen, gerecht und ehrlich sein, rechtmäßiges Verhalten zeigen, Geduld, Bescheidenheit und Freigiebigkeit, keine Unterschiede zwischen den Menschen machen und insgesamt ein konfliktfreies Leben in der Gesellschaft führen. Das Cem-Ritual ist die alevitische Gebetsform, die allerdings über das Gebet hinaus viele weitere Elemente enthält, z. B. den „Semah-Tanz“. Özcan zitiert auch die Handlungsmaxime der Aleviten: „Hab‘ deine Hände, deine Zunge und deinen Körper unter Kontrolle!“

Im Anschluss an den einstündigen Vortrag gab‘ es Zeit für Fragen aus der Runde der Zuhörer. Hier konnten nochmal Detailfragen geklärt werden. Das Interesse war größer als die Zeit erlaubte. Die Zuhörer konnten sich schon mal ein erstes Bild machen.

Wer sich ein genaues Bild vom Alevitentum machen möchte, kann dies durch Lesen des Buches „Aleviten in Deutschland“ – erschienen als EZW-Text 211 der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (www.ezw-berlin.de).

Vortrag über Aleviten

Besucher(innen) des Vortrags