Alevitentum in sunnitischen Schulbüchern

Posted on 8. September 2011

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Während sich in Deutschland die Lehre über das Alevitentum als eigenständiger Religionsunterricht durchsetzt, quält man sich in der Türkei mühselig dazu zumindestens das Alevitentum im eigentlich sunnitischen Religionsunterricht aufzunehmen.

Laut der aktuellen Meldung von CNNTÜRK hat der von der türkischen Regierung berufene Arbeitskreis zum Alevitentum verkündet, dass die alevitische Lehre in den Religionsunterricht ab der 4. Klasse aufgenommen wird. Demnach erklärte der türkische Minister für Arbeit und Soziale Sicherheit, dass das Alevitentum noch nie so stark in der türkischen Bevölkerung wahrgenommen werde wie derzeit. Deshalb sei es wichtig das Halbwissen und Vorurteile auszuräumen und über die Lehre aufzuklären. Der Minister fügte hinzu, dass die Inhalte bereits von allen notwendigen Gremien verabschiedet wurden und somit in die Schulbücher von der vierten bis zur letzten Klasse aufgenommen wurden.  Die Bücher für den Jahrgang 2011/2012 sind mit diesen Inhalten bereits gedruckt.

Im Unterricht für die vierten Klassen sind lediglich Zitate von Hz Ali, Haci Bektas-i Veli und weiteren aufgenommen – zum Beispiel die Worte von Haci Bektas-i Veli „Man kann eine Flasche mit unreinem Inhalt von außen noch so sehr reinigen – der Inhalt wird nicht sauber davon“.

5. Klasse: Hier beschränkt man sich hauptsächlich auf weitere Zitate. Doch es werden auch zwei religiöse Feiertage der Aleviten vorgestellt: „Nevruz“ und „Hidirellez“. Dabei wird die Formulierung verwendet „Volksglauben zufolge werden mit Nevruz verschiedene Ereignisse verbunden. Die Aleviten glauben an die Geburt Alis an diesem Tag und die Heirat mit Fatima.“ Ergänzt wird dies mit der Aussage, dass sowohl asiatische als auch seldschukische und osmanische Türken ebenfalls diese Tage feierten.

6. Klasse: Der Mut des Hz. Ali wird beschrieben. Besonders als er – nachdem ich bekannt wurde, dass der Hl. Mohammed ermordert werden soll – sich über Nacht statt seiner in dessen Bett legte. Dies ist eine Überlieferung innerhalb des Islam und keine Besonderheit des Alevitentums.

7. Klasse: Nun wagt man sich schließlich an die Muharrem-Fastenzeit. Es wird berichtet, dass Aleviten und Bektaschiten aufgrund des Verdurstens vom Hl. Hüseyin und seines Sohnes die ersten zwölf Tage des islamischen Monats Muharrem fasten. Aus Dank für das Überleben von Zeynül Abidin, ebenfalls Sohn des Hl. Hüseyins, würden sie Opfer bringen und „Asure“ zubereiten. Weiter heißt es: „Aleviten sind Moslems, die an den einen Allah und seinen Propheten Mohammed und den Hl. Ali glauben. Ihr Buch ist der Koran. Bektaschisten sind Anhänger des Haci Bektas-i Veli.“ Zum Thema „Cem und Cemhaus“ sind verschieden Cem-Arten genannt. In diesem Zusammenhang werden auch die 12 Dienste und der Semah erwähnt. Auch die Gebetsform „Gülbenk“ und die meist vom 13. bis 15. Februar gehaltene Fastenzeit „Hizir Orucu“ fehlt nicht.

8. Klasse:  Für diese Jahrgangsstufe ist das Themengebiet „Alevitentum“ nicht vorgesehen.

9. Klasse: Ein Jahr später wird unter der Überschrift „Islam und Türken“ sogar beschrieben, welche besondere Bedeutung Ahmet Yesevi und Haci Bektas-i Veli in der Islamisierung der Türken gehabt haben sollen.

10. Klasse: Erneut wird das „Muharrem-Fasten“ behandelt.

11. Klasse: Es werden wohl die „Caferiden“ kurz abgehandelt.

12. Klasse:

  • Cem und Cemhaus
  • Semah
  • Weg-Brüderschaft (Müsahiplik)
  • Gebete (Gülbenk)
  • Muharrem und Asure

Darüberhinaus wagt man sich angeblich in der 12. Klasse auch ans Thema 4 Tore, 40 Stufen (Dört Kapi, 40 Makam). Es gibt keine Angaben, ob auch „zahiri“ und „batini“ erklärt werden, was hierfür unabdingbar ist.

Einen alevitischen Religionsunterricht gibt es in der Türkei leider nicht.

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Posted in: Alevitentum, Türkei