Kommentar: Nachrichtenagentur pusht Meldung über Haci-Bektas

Posted on 12. April 2012

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Nachrichtenticker "ihlas" Seit zwei Tagen wird gemeldet, dass die Alevitische Föderation in der Türkei rechtliche Mittel gegen die Aussage des türkischen Ministerpräsidenten einsetzen möchte. Nach der Urteilsverkündung, dass Angeklagte im Fall des „Sivas-Massakers“ aufgrund von Verjährung freigesprochen wurden, hatte der amtierende Ministerpräsident seine Zustimmung mit den Worten „Es sei zum Wohle des Volkes“ geäußert. Darüber sind die Aleviten verärgert.

Am Mittwoch um 01:22 lief folgende Meldung der europäischen Redaktion der Tageszeitung „Hürriyet“ über die Newsticker:

Danach hat der Vorsitzende des Amts für Religiöse Angelegenheiten der Türkei Prof. Dr. Mehmet Görmez während seines Auslandsaufenthalts in Dänemark das Alevitische Kulturzentrum in Ringstead besucht. Der Vorsitzende der alevitischen Gemeinde Çağdaş Sağlıcak habe die Bitte geäußert, man solle die Stätte ‚Hacibektas den Aleviten übergeben. In dem kleinen anotolischen Ort Hacibektas befindet sich das Mausoleum des gleichnamigen Mystikers Haci Bektas-i Veli. Er hat für die Aleviten eine große Bedeutung – nach ihm ist auch der Bektasi-Orden benannt. Während diese Stätte für die Aleviten ein Wallfahrtsort ist, ist es offiziell aber nur ein Museum.  Sağlıcak beklagt, dass hier jedesmal ein Eintrittsgeld fällig wird und nochdazu ein Anteil an das Amt für Religiöse Angelegenheiten abgeführt wird, die wiederum selbst die Aleviten nicht als Religion akzeptiert.

Diese Meldung allein könnte als „üblicher Austausch“ abgehakt werden, wenn sich nicht die Nachrichtenagentur Ihlas genötigt sähe diese Meldung seitdem von sich aus STÜNDLICH über die Newsticker zu schicken. Diese als letzte Meldung („Son Dakika“) gekennzeichnete Nachricht läuft seit Mittwoch stündlich als neue Meldung unter Google News.  „Ihlas“ ist arabisch und bedeutet sinngemäß „Der Glaube ohne Vorbehalt“. Es ist kein Geheimnis, dass diese Mediengruppe eine religiös-fundamentalistische Ausrichtung hat. Aus diesem Hintergrund hat sie wohl bedenken, dass diese Meldung untergehen könne. Böswillig übersetzt könnte die Meldung implizieren „DIE“ Aleviten würden Eigentumsansprüche geltend machen wollen, was natürlich schon deshalb nicht geht, weil es „DIE“ Aleviten nicht gibt. Hier wird lediglich die Problematik der Darstellung der Stätte in Hacibektas thematisiert.

Insgesamt ist dies aber symptomatische für die derzeitige Nachrichtenbranche in der Türkei.