Maraş-Massaker war vorsätzlich initiiert

Posted on 30. April 2012

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Im Rahmen des Prozesses um den Militärputsch in der Türkei berichtet das türkische Portal Gazeteport von einem angeblichen Bericht des türkischen Geheimdienstes MIT.

Demnach hat der türkische Geheimdienst in seinem Bericht an die zuständigen Stellen die Ereignisse in der Stadt Maraş als „Aufstand“ und „Bürgerkrieg“ darzustellen. In dem Bericht vom 4. Januar 1979 würden gewalttätigen Angriffe nicht als politisch extremistisch oder konfessionell (alevitisch-sunnitisch) sondern als „türkisch-kurdisch“ motiviert dargestellt.  In dem Bericht des Geheimdienstes wird behauptet, dass die kurdischen Aleviten einen eigenen Staat gründen wollten und dies in ihren Demonstrationen frei bekundeten.

Aus einem weiteren Bericht vom 17. Januar 1979 wird deutlich, dass die Aktionen wenige Wochen vorher von der rechtsextremistischen Partei MHP und der Jugendorganisation ÜGD geplant wurde. Diese Organisationen sahen sich aus Ihrer Sicht unter „Zugzwang“, dass sie nun ein Zeichen setzen müssten. So wurden zunächst die Adressen der Aleviten festgestellt und gekennzeichnet und in einer weiteren Aktion die Aktivisten festgelegt.  Parallel wurden Gerüchte verbreitet, wonach Aleviten einen Aufstand planen würden und sunnitische Frauen vergewaltigt hätten.

Nachdem die Gendarmerie zwei Personen in einem überwiegend von Sunniten bewohnten Stadtteil töteten, warnte der Geheimdienst: Solche Vorfälle sollten vermieden werden, sonst würden die rechten Anhänger gegen das Militär vorgehen – und schließlich wären doch die Rechten auf Seiten des Staates gegen den drohenden Kommunismus.

In dem Geheimdienstprotokoll vom 8. Januar 1979 sei dokumentiert, dass Ö. K. am 5. Januar festgenommen worden und befragt worden sei, ob er einen Sprengsatz in ein Kino, in dem gerade der Film „Ich habe die Sonne gesehen“ gezeigt wurde, geworfen habe. Er selbst habe schriftlich erklärt, dass er es nicht bereue und im Auftrag des 2. Vorsitzenden der ÜGD gehandelt habe. Sie hätten dies getan, um den Eindruck zu erwecken, dass es linke Extremisten gewesen wären.

Angeblich sei  der Beschuldigte Ö. K. in der Zeit vom 12. Bis 19. Januar in Ankara verhört worden. Dort habe er unter Einfluss von Foltermaßnahmen alles zugegeben.

Das Massaker von Maraş hatte vom 19. Bis 26. Dezember 1978 gedauert. Dabei wurden ca. 150 Menschen ermordet, 22 Personen zum Tode verurteilt und viele Haftstrafen verhängt.

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