Eine Stimme durchdringt die Nacht – Bir ses böler geceyi

Posted on 3. Mai 2012

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Hz. Ali

Hz. Ali (Ölgemälde, M. Kurul, Copyright)

Der Film „Eine Stimme durchdringt die Nacht“ (Original: ‚Bir ses böler geceyi‘) lief in der Türkei bereits in diesem Frühjahr und kommt nun auch in die deutschen Kinos. Es ist die Verfilmung nach einem Roman von Ahmet Ümit.

Zum Buch-Autor: Ahmet Ümit ist ein türkischer Autor mit einer lebhaften Biografie: Er ist 1960 in Gaziantep in der Türkei geboren. 1983 schloss er sein Studium der Verwaltungslehre ab. In der Zeit von einer der Militärdiktaturen in der Türkei war er Untergrundaktionen aktiv und musste „untertauchen“. Laut eigenen Aussagen hat er diesem abgeschworen, weil er erkannt hat, dass die Vorgehensweise damals autoritär und in gewisserweise auch intolerant. Deshalb konzentriert er sich aufs Schreiben. Drei Werke wurden bisher ins Deutsche übersetzt:

Nacht und Nebel, Ahmet Ümit, Unionsverlag, 2008  (Anzeige)

Der Teufel steckt im Detail, Ahmet Ümit, Verlag auf dem Ruffel, 2008 (Anzeige)

Patasana, Ahmet Ümit, Verlag Dagyeli, 2009 (Anzeige)

Regisseur des Films „Eine Stimme durchdringt die Nacht“ ist Ersan Arsever. In den Hauptrollen spielen Cem Davran, Merve Dizdar, Gün Koper, Rıza Akın und Ali Sürmeli.

Handlung:  Süha erleidet einen Verkehrsunfall. Er rettet sich in ein nahegelegenes Dorf, wo er Zeuge einer Cem-Zeromonie wird. Er beobachtet diese aus einem kleinen Fenster. Süha selbst ist jemand der während der Militärdikatatur (12. September) in der linken Szene aktiv gewesen ist und vorübergehend verhaftet wurde. Er war in der Bewegung mit seiner Partnerin Demet sehr aktiv und davon überzeugt.

Die Cem-Zeromonie, die er beobachtet, ist aber keine ganz normale. Hier wird ein besonderer Fall „verhandelt“: Ismail, ein junger Alevit aus dem Dorf, von kleinauf intensiv mit der alevitischen Lehre befasst. Je mehr Wissen er erlangt, um sehr mehr Fragen eröffnen ihm sich, die ihm keiner beantworten kann oder will. Aus der inneren Logik der Grundsätze und Werte hinterfragt er den Alltag und stellt manches aus der alevitischen Praxis in Frage. Dadurch wird er unangenehm.

Süha vergleicht in Gedanken den Weg, das Engagement und die Erfahrungen Ismalis mit seiner Lebensgeschichte. Auf dieser mystischen Reise zu sich selbst wird Süha einiges bewusst. Sowohl Süha selbst als auch der Ismail, von dem er nur über die Erzählungen in der Cem-Zeromonie erfährt, sind Menschen, die sich nicht mit Oberflächlichkeiten zufriedengeben. Beide forschen in „ihrer Sache“ nach Hintergründen und Ursachen. So gehen sie zusammen einen Weg – getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“.

Kommentar: Es ist ein überaus sehenswerter Film über die alevitische Minderheit in der Türkei entstanden, der über die üblichen Zuweisungen hinweg, etwas mehr aus der alevitischen Lehre transportiert. Gleichzeitig beleuchtet der Film auch kritische Momente: Denn an manchen Stellen mangelt es in der Ausführung der in sich harmonischen alevitischen Glaubenstheorie. Nebenbei zeigt er auch Parallitäten des Alevitischen Glaubens mit der linken politischen Bewegung der 80er Jahre auf.

Der Film wurde in Frankfurt am Main in der Woche vom 18. bis 25. Mai 2012 gezeigt.

FRANKFURT/MAIN

Im Rahmen des Türkischen Filmfestivals Frankfurt wird der Film erneut gezeigt:

17.11.2012 20:30 UHR SAMSTAG/CUMARTESI | CINESTAR METROPOLIS KINO 12

Offizielle Internetseite zum Film: Bir Ses Böler Geceyi

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