Deutschland ohne Ausländer

Posted on 9. Mai 2012

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„Der Tag, an dem die Ausländer verschwinden, ist sonnig und warm. Die
Meteorologen haben Temperaturen bis 30 Grad vorausgesagt, mit einzelnen
Sommergewittern am Abend. Es ist Ende Juli, ein blauer, fast wolkenloser
Himmel spannt sich über Deutschland. Man hat den Stichtag
für die Ausreise auf einen Sonntag gelegt, damit alle ausreisenden Ausländer
mit ihren Autos nicht vom Lkw-Verkehr behindert werden. Außerdem
soll der Berufsverkehr nicht gestört werden. Der ADAC warnt
dennoch vor langen Staus auf den Hauptreiserouten Richtung Süden und
Osten und rät deutschen Autofahrern dringend, an diesem Sonntag auf
Fernreisen zu verzichten.
Das deutsche Verkehrssystem auf den großen Autobahnen steht trotzdem
kurz vor dem Kollaps. Die aus dem Land geworfenen Ausländer sind ohnehin
verärgert, manche auch resigniert. Je länger der Stau wird, je unklarer
wird, wann die Fahrt endet, und je mehr die Vorräte der Ausreisenden
zur Neige gehen und die Kinder quengeln, desto gereizter wird
die Stimmung. Zahlreiche Fahrzeuge der Polizei, der Feuerwehr und des
Roten Kreuzes versuchen, den in kilometerlangen Staus Eingeschlossenen
zu helfen, Wege freizumachen, Wasser zu verteilen, wichtige Medikamente

an die Leute zu bringen. Weil liegen gebliebene Fahrzeuge auch den
Standstreifen blockieren, kommen die Helfer vielerorts nicht durch.
Doch die Mehrheit der Ausländer bewegt sich in ihren Autos im Stopand-
go auf der Autobahn Richtung Grenze. An den Autobahnbrücken
hängen Transparente mit der Aufschrift »Danke und gute Heimreise«
in verschiedenen Sprachen – eine Aktion der Bundesregierung, die ein
Jahr zuvor die Ausweisung aller Bürger ohne deutschen Pass beschlossen
hat. An manchen Stellen blicken Schaulustige von den Brücken auf
die endlosen Kolonnen voll bepackter Autos, die sich Stoßstange an Stoßstange
Richtung Grenze schieben. Es gebe zahlreiche Anreize zu einer
freiwilligen Ausreise, betont ein Regierungssprecher im Radio. Es gehe um
Chancengerechtigkeit und die Sicherung des Wohlstandes für die deutsche
Kernbevölkerung. Man sei zuversichtlich, dass die einjährige Vorbereitung
der Maßnahme nun zum Erfolg führe und alle Ausländer freiwillig
das Land verließen.
Von einer Vertreibung oder gar »Deportation«, wie radikale Kritiker
behaupten, könne indes keine Rede sein. Man habe alles in der Kraft der
Regierung Stehende getan, um die Ausreise so human wie möglich zu gestalten.
Die Regierung setze damit in beispielhaft demokratischer Weise
den originären Willen des deutschen Volkes um, das in einem Referendum
mit klarer Mehrheit für diese Lösung votiert habe. Nach dem
Zusammenbruch mehrerer deutscher Banken im Zuge der Finanzkrise,
nach der anschließenden Rezession und der Währungsreform nach dem
Ende des Euro, der hohen Arbeitslosigkeit und den Rentenkürzungen
müsse Deutschland sich nun ganz auf die Förderung seiner Kernbevölkerung
konzentrieren.
Der Tag, an dem die Ausländer verschwinden, ist sonnig und warm. Die
Rapsfelder längs der Autobahn leuchten gelb. Als am Sonntagabend die
meisten Ausländer mit ihren bepackten Autos die Landesgrenze überquert
haben, steht die Luft noch in den Straßen der Städte. Aus vielen
Fenstern hängen anlässlich des bedeutsamen Tages kleine und große
Deutschlandfahnen. Vereinzelt werden Feuerwerkskörper gezündet.
Baumärkte haben palettenweise schwarz-rot-goldene Fähnchen nachbestellen
müssen, weil die Nachfrage so groß war. […]“

Aus:

„Deutschland ohne Ausländer – Ein Szenario“

Pitt von Bebenburg, Matthias Thieme

Erschienen am 9. Mai 2012 im Redline Verlag

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