‚Alevitische Partei Deutschlands‘

Posted on 14. Mai 2012

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Die alevitische Community kann sich glücklich schätzen, eine Organisation in Deutschland zu haben, die nicht nur den eigenen Bedarf abdeckt, sondern sich in der Gesellschaft einbringt.  Doch sie muss noch lernen Poltik und Religion stärker zu trennen. Der Begriff „Religion“ ist innerhalb der alevitischen Community umstritten, das ist hier nicht das Thema.

Durch die Unterdrückung und Assimilierungsversuche in der Türkei, ist das „Alevitentum“ automatisch ein Politikum. Die Mehrheitsgesellschaft macht es in der Türkei dazu. Das liegt nicht an den Aleviten, die dort leben. Doch diese Haltung ist hier in Deutschland ähnlich vorhanden. Wenn Aleviten innerhalb ihrer Gemeinschaft über das Alevitentum diskuttieren wird es sehr schnell politisch. Oft ist es eine Diskussion innerhalb des Spektrums mitte bis außen links.

Es ist nichts daran auszusetzen, dass jeder (Alevit) eine politische Meinung hat. Nein, dass ist in der heutigen kommerzialisierten Gesellschaft, in der sich jeder zu einer Auto- oder Smartphone-Marke aber nicht unbedingt zu eine politischen Haltung bekennt, sogar begrüßenswert. Aber diese gehört in einen anderen Rahmen, ein anderes Umfeld. Dafür bietet die deutsche Gesellschaft ein breites Spektrum an politischen Parteien.  Natürlich ist es legitim mit das Bochumer Stadion mit 20.000 Demonstranten zu füllen, um auf ein Ungleichgewicht aufmerksam zu machen.

Aber wenn die alevitische Gemeinschaft in Deutschland einerseits zu Recht die Ausführung des Religionsunterrichts in der Türkei als einseitig kritisiert, aber andererseits in vielen Gebieten Deutschlands, in denen der alevitische Unterricht rechtlich anerkannt wurde, sich nicht für dieses Angebot einsetzt und es nutzt, muss sich einige Fragen gefallen lassen. Dabei meine ich nicht irgendwelche Organisationen, sondern die Aleviten selbst: In diesem Land haben sie die historische Chance, ihre Lehre offiziell an ihre Kinder und Enkel weiterzugeben – und immernoch viel zu wenige nutzen dies.

Natürlich darf man sich stark machen, indem man fragt, warum eigentlich die Attentäter von Sivas vom deutschen und türkischen Staat so wohlbehütet werden. Aber mindestens genauso wichtig ist: Die Erkenntnissteigerung über die alevitische Lehre innerhalb der Community. Zeit und Kraft in das Lernen stecken – und wir müssen alle zusammen noch viel lernen!

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Posted in: Aktuell, Alevitentum