Identitätsfindung im Alevitentum

Posted on 14. Mai 2012

0


Wer den Cem-Gottesdienst

als Hauptgebet anerkennt und daran teilnimmt, gilt als Alevit.

Vom Bund der Alevitischen Jungend wurde aktuell eine Kommentar zum Thema „Identitäsfindung im Alevitentum“ veröffentlicht. Der Autor Ismail Kaplan schreibt darin:

Eines der höchsten Güter einer Glaubensgemeinschaft – nämlich die Definitionsmacht des eigenen Selbstverständnisses – gilt auch für Angehörige der alevitischen Lehre. Dieses Recht auf eine eigene Definition sollte gerade da angewandt werden, wo es um die Unterscheidung geht von alevitischer Religion und orthodoxem Islam.  Denn allzu oft wird als Maßstab für eine Bewertung des Alevitentums nur der Vergleich mit dem orthodoxen Islam herangezogen, ohne dass die Eigenheiten und die eigenen Traditionen des alevitischen Glaubens ins Blickfeld genommen werden. Eine solche Betrachtungsweise führt dann dazu, dass das Alevitentum fast ausschließlich in seiner Abgrenzung zum orthodoxen Islam und in seinen Abweichungen von dessen Lehre beschrieben wird. Beispiele dafür sind etwa wiederholte Standard-Formulierungen der Art „Im Alevitentum gelten die Fünf Säulen des Islams nicht; Aleviten beten im Cem-Haus und nicht in der Moschee; Alevitische Frauen tragen keine Kopftücher …“ Bei einer solchen Betrachtungsweise werden die originären und ureigensten Grundsätze des Alevitentums überhaupt nicht berücksichtigt.  Eine sachkundige Beschreibung des Alevitentums sollte zumindest den Cem-Gottesdienst und das Ethiksystem „Vier Tore – Vierzig Stufen“ zugrunde legen.

Es ist doch ganz klar, dass in einer Religion, die immer im Verborgenenen gehalten werden musste, um sich nicht der Verfolgung zu opfern – auch an Tradition und Informationsweitergabe leidet. Dennoch gilt es doch festzuhalten, dass es aktuell eine Form der praktizierten Glaubensform gibt. Daran sollte man festhalten, oder nicht?

Posted in: Alevitentum