Alevitische Lehre: Weggemeinschaft (musahiplik)

Posted on 18. Mai 2012

0


Die Alevitische LehreGestern Abend hatten wir in einer kleinen Runde eine Diskussion über die sog. „Weggemeinschaft“ im Alevitentum.

Ismail Kaplan schreibt in seinem Buch „Das Alevitentum“ über die die Weggemeinschaft (musahiplik): „Weggemeinschaft“ heißt, dass alevitische Familien in der Gemeinde Familienpaare bilden und ihre Güter und Ressourcen auf Dauer bündeln. Es handelt sich hier nicht – wie oft wegen der genauen Übersetzung als „Wegbruderschaft“ angenommen – um eine rituelle Verwandschaft unter Männern , sondern vielmehr um eine Bindung alevitischer Familien. Nicht nur die Ehefrauen (bacilar), sondern auch die Kinder werden in die Weggemeinschaft miteinbezogen. Jede alevitische Familie geht eine solche Gemeinschaft mit einer anderen Familie ein, die sich sozial und finanziell etwa auf gleichem Niveau befindet.“

Weiter heißt es: „Diese Beziehung führt zu einer religiösen „Verwandtschaft“, die auch wirtschaftliche Konsequenzen

Springbrunnen

Springbrunnen

hat. Die beiden Familien unterstützen sich gegenseitig in jeder Hinsicht. Die Fehler und Verdienste beider Familien müssen gemeinsam verantwortet werden. […] Die Eheleute der Familien und Kinder beider Familien in der Weggemeinschaft gelten als Geschwister.“ Kehl-Bodrogi stellt fest:

„Den Ursprung der in der islamischen Welt ansonsten unbekannten Insitution der Wegbruderschaft führen die Aleviten auf Ali und Mohammed zurück, die als erste eine solche Beziehung eingegangen sein sollen. Mohammed soll nach der Überlieferung die Muslime aufgefordert haben, seinem Beispiel zu folgen und sich ebenfalls einen musahip zu nehmen.“ Sie behauptet: „Wegen der schwerwiegenden moralischen aber vor allem ökonomischen Verpflichtungen, die musahiplik impliziert, werden Wegbruderschaften seit den 1960’er Jahren allerdings kaum mehr eingegangen.“ (1)

Zitat aus dem Buyruk: „Auf dem Wege der Wahrheit sind Seele und Habe der Familien der Weggemeinschaft eins.“

Kontrovers haben wir diskutiert, ob die Weggemeinschaft in Deutschland praktizierbar ist, muss oder sollte? Ist es zeitgemäß oder nicht?

Quelle: (1) „Was du auch suchst, such es in dir selbst!“, Krisztina Kehl-Bodrogi, Hg. von der Ausländerbeauftragten des Berliner Senats

Advertisements