2. Cem-Zeremonie – Der Inhalt

Posted on 22. Mai 2012

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SeerosenDie Cem-Zeremonie ist der Kern der alevitischen Glaubenspraxis. Betrachtet man diesen muss man – wie in den meisten Bereichen der alevitischen Glaubenspraxis – differenzieren zwischen der historischen traditionellen Form und ihrer Eigenart in der heutigen Praxis in der Diaspora. Man muss sich vorstellen, dass der überwiegende Teil der alevitischen Bevölkerung in „Kleinasien“ vor allem in bergigen schwer erreichbaren Regionen mehr oder minder abgeschottet von der Außenwelt gelebt haben.  Da die Praktizierung ihres Glaubens noch nicht erwünscht und sie den meisten Zeiten verfolgt wurden, zogen sie sich natürlich zurück in unbeliebte Lebensgebiete und blieben unter sich. Aufgrund der fehlenden Kommunikationsmittel entwickelte sich die Glaubenspraxis natürlich in den einzelnen „Glaubensinseln“ etwas unterschiedlich ohne aber den Glaubenskern zu verändern.

So war der Cem ein Instument, das in einer kleinen Gemeinschaft, den sozialen Frieden hergestellt hat. In einer kleinen Gemeinschaft, in der „jeder jeden kennt“, hat die Cem-Zeremonie tatsächlich diese Kraft. Dabei geht diese Kraft nicht allein vom „dede“ aus, sondern von eben dieser Gemeinschaft, durch die der „dede“ legitimiert wird. In der Cem-Zeremonie werden verstrittene Parteien wieder befriedet und Harmonie hergestellt. Wer sich gegen den allen bekannten Regeln widersetzt, wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Durch die Legitimation durch die Gesellschaft ist gewährleistet, dass dieses Instrument prinzipiell nicht von einzelnen mißbraucht werden kann. Hier sieht man wie die basisdemokratische und soziale Einstellung der Aleviten sich in ihrer Glaubenspraxis widerspiegel.

In der heutigen modernen Welt, vor allem in der Diaspora, mit seiner volatilen Gesellschaftsstruktur in urbanen Verhältnissen ist diese Funktion des Cem so nicht mehr gegeben. Aber die Cem-Zeremonie beinhaltet weitere Elemente wie zum Beispiel die Vermittlung der alevitischen Lehre an die Mitglieder. Außerdem gehören auch das Semah-Ritual, die Saz und die religiöse Gesang auch zum Cem und bieten auch heute den Rahmen eines Gottesdienstes. So finden die Aleviten im Cem unabhängig davon wie die äußeren Bedingungen sind (Räumlichkeiten, Sitzmöglichkeiten usw.) Raum für ihre Glaubenspraxis.

Und somit fällt dem Cem gerade in der Diaspora eine weitere wichtige Funktion zu: Die Visualisierung der alevitischen Glaubenspraxis für die ur-einheimische Gesellschaft, die diese Glaubenslehre noch nicht kennt.

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