Ein bedeutsamer Schritt in einer Kleinstadt (1)

Posted on 1. Juli 2012

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von Dr. Klaus Thimm

In Mönchengladbach einer Kleinstadt zwischen Düsseldorf und Aachen – bestand seit 135 Jahren eine evangelisch-methodistische Gemeinde, die seit etwa 125 Jahren auf einem eigenen Grundstück eine eigene Kirche besaß, die nach Kriegszerstörungen wieder aufgebaut wurde. Meine Frau und ich liebten diese Kirche, weil wir von Bonn aus gerne dort gepredigt haben.

Als sich diese so traditionsreiche Gemeinde aus Altersgründen und wegen berufsbedingter Wegzüge von Mitgliedern auflöste, hinterließ sie ein nach dem schnellen Wiederaufbau nach dem Krieg inzwischen sehr renovierungsbedürftig gewordenes Kirchengebäude mit einem lange nicht mehr gepflegten Garten, der aber gerade in seiner Innenstadtlage vielerlei Nutzungsmöglichkeiten bot. Eine Instandsetzung des Gebäudes durch damit zu beauftragende Firmen wäre sehr teuer gekommen – und so nahm ich in dieser Situation Kontakt auf zu unserem Freund aus der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) Ismail Kaplan in Köln, der mich dann weiter verband mit dem Gemeindevorstand der alevitischen Gemeinde in Mönchengladbach. Diese mitgliederstarke Gemeinde der Aleviten brauchte dringend ein Cem-Haus, das zugleich Gemeindezentrum sein sollte. Ein dann nur in einem Außenbezirk zu bauendes Cem-Haus wäre sicher sehr teuer geworden – und ein Gebäude in der Innenstadt konnte nur als Traum gesehen werden. Das Interesse der Gemeinde und das Interesse der evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), dieses Kirchengebäude abzugeben, kamen zusammen – und schon das erste Gespräch mit Besichtigung des Gebäudes zeigte, dass ‚die Chemie zwischen beiden Partnern stimmte‘. Daraufhin baute sich ein von gegenseitiger Wertschätzung getragenes, gutes Verhältnis auf zwischen Aleviten und Methodisten, das die weiteren Verhandlungen bestimmte. Die alevitische Gemeinde erwarb dann für Kirchengebäude mit Garten – auch im guten Wissen darum, dass sie in ihren Reihen genug eigene Handwerker hatte, die die notwendigen Renovierungsarbeiten durchführen konnten. Und die EmK freute sich, dieses nicht länger benötigte Kirchengebäude an einen guten Partner weitergeben zu können.

Weit über die lokale Bedeutung hinaus zeigte sich dieser Verkauf eines Kirchengebäudes an eine alevitische Gemeinde als beispielsetzend – und als die inzwischen an Stelle von Bischof Dr. Klaiber neu gewählte methodistische Bischöfin Rosemarie Wenner beim ökumenischen Kirchentag 2011 in München davon berichtete, erhielt sie dafür Beifall ‚auf offener Bühne‘. In einem persönlichen Gespräch bezeichnete der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge diese Übertragung eines Kirchengebäudes an eine örtliche alevitische Gemeinde als Musterbeispiel für den Brückenschlag von eine rin Deutschland heimischen Kirche zu einer nach Deutschland gekommenen Glaubensgemeinschaft und damit perfekt Integration.

(von Dr. Klaus Thimm, erschienen in „alevilerin sesi“ Nr. 161 6/2012)

Weiter zu Einweihung des Cem-Hauses am 2. Juni 2012 (2)

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