Interreligiöses Eröffnungsprogramm (3)

Posted on 2. Juli 2012

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Das Programm für diese Feier, der von Seiten der AABF und der beteiligten deutschen Gäste eine grundsätzliche Bedeutung beigemessen wurde, war sehr sorgsam von der AABF und der Gemeinde in Mönchengladbach zusammengestellt und als Einladung weitergeleitet worden. Die türkischen Segensworte der Einweihung wurden von Hasan Deniz, einem Dede aus der Gemeinde, gesprochen und dann für die deutschen Gäste von Aynur Kücük in ein perfektes Deutsch gehobener Sprache – geradezu in ‚Kirchendeutsch‘ – übertragen. Wir Nicht-Aleviten empfanden es als besonders beeindruckend, dass die Bitte um den Segen für die Gemeinde in diesem Haus auch ausdrücklich an Jesus Christus wie folgt gerichtet wurde:

 „Möge dieses Cem-Haus, welches bereits vielen Menschen als Gebetsstätte gedient und vielen Menschen die Andacht ermöglicht hat, den Segen Hak-Muhammed-Alis un des Heiligen Jesus Christus erfahren.“

Leider folgte dann nicht – wie es sinnvoll gewesen wäre und vorgesehen war – Bischof Klaiber mit seinen Segensworten. So kam er erst viel später dazu, zu antworten mit einer Rede, in der er ausging von der Frage: ‚Wenn wir schon eine Kirche abgeben, dann möchten wir doch wissen, in was für Hände wir sie geben‘. Und auf Grund seiner Vertrautheit mit dem alevitischen Glauben und seinen Erfahrungen mit Aleviten brachte er dann auf den Punkt, was eine große Gemeinsamkeit ist in alevitischer und methodistischer Lehre:

Die Liebe zu Gott findet ihre Spiegelung zu der Liebe im Menschen, in dem wie Aleviten wie Methodisten Gottes Ebenbild oder auch ‚Gott in unserem Nächsten‘ sehen.

Und auf Grund dieser Gemeinsamkeit im liebevollen Umgang mit Menschen nicht nur des eigenen Glaubens – als eines großen ‚Humanismus‘ bei Menschen, die sich darin einig seien – betonte Bischof Klaiber seine Überzeugung, dass dieses Haus bei den Aleviten in gute Hände gekommen sei. Bischof Klaibers Ausführungen zu der Liebe beeindruckten alle Teilnehmer der Festversammlung – Aleviten und Nicht-Aleviten – gleichermaßen.

(von Dr. Klaus Thimm, erschienen in „alevilerin sesi“ Nr. 161 6/2012)

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