Aleviten – so deutsch wie die Deutschen oder doch Ausländer?

Posted on 31. August 2012

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natürlich und urban

Grün oder Beton – oder beides?

Ohne Frage ist die Alevitische Gemeinde in Deutschland nicht nur Vertreter ihrer Mitglieder hier sondern auch ein Sprachrohr und Leuchtturm ihrer unterdrückten Brüdern und Schwestern in Anatolien. Ohne Zweifel wurden die Aleviten – vor allem die kurdischen – jahrhundertelang von den Herrschern in den Regionen unterdrückt, vertrieben, ja sogar massakriert.

In Europa erkennt man ihre durch und durch humanistische und demokratische Überzeugung – so können sie sich hier entfalten. Sie sind als Religionsgemeinschaft anerkannt, es gibt Schulen, in denen die alevitische Lehre unterrichtet wird und in Hamburg gibt es sogar neuerdings einen Staatsvertrag.

Doch während sich die deutschen Aleviten bei jeder Ungerechtigkeit in der Türkei von hier aus lautstark protestieren, sind sie bei ähnlichen Situationen in Deutschland völlig still. In einer geradezu anbiedernden Weise pflichten sie den Machtinhabern in Deutschland bei – und seien sie noch so konservativ und rückwärtsgewandt – wie das Bundesinnenministerium.

Als in einem kleinen anatolischen Dorf ein alevitisches Haus mit Steinen beworfen wurde, weil die Hausbewohner sich über die Fastentrommel beschwert hatten, gab‘ es in deutschlandweit Demonstrationen vor den türkischen Konsulaten. Zeitgleich mit dem Angriff auf die alevitische Familie in der Türkei gab‘ es in Bremen und Köln Brandanschläge auf türkische Häuser.

Keine Reaktion darauf. Im letzten Jahr wurde die Mordserie der NSU bekannt.

Keine Reaktion darauf. Es wird deutlich, dass die Polizei die Taten vertuscht, der Verfassungsschutz die Organisationen mitfinanziert und die Innenministerien Ermittlungen erschweren bzw. verhindern. Keine Reaktion darauf.

Nun mag‘ man meinen, dies wären alles Aktionen, die nicht im direkten Zusammenhang mit dem Alevitentum haben. Aleviten verhalten sich so als ob sie außen vor wären. Wenn Vorurteile gegenüber anderen Minderheiten transportiert werden, nehmen sie sich raus.

In der Innendarstellung ist die Haltung: „Wir sind Aleviten, Demokraten, Humanisten – uns betrifft das alles nicht – wir sind gute Menschen.“

Irrtum!

· Denn in der Außenwahrnehmung in der deutschen Gesellschaft gibt es keine differenzierte Wahrnehmung der Aleviten. Sie „gehen“ in der Wahrnehmung „unter“, werden als Türken, Kurden und Moslems wahrgenommen.

Als vor ein paar Wochen ein islamistischer Mob in Berlin eine alevitische Familie drangsalierte, weil sie nicht fastete, hat nur die Gemeinde vor Ort reagiert.

Fühlen sich die Aleviten also so Deutsch, dass sie sich von den Ressentiments nicht mehr angesprochen fühlen oder so anatolisch, dass sie die Ereignisse in Deutschland gar nicht tangieren?

Wahrscheinlich beides – bei manchen so, bei anderen so.

Es ist an der Zeit, dass die Aleviten in Deutschland auch die Missstände und Ungerechtigkeiten hier vor Ort – in ihrer Heimat – lautstark verurteilen. Unzwar unabhängig davon, welche Menschen betroffen sind, gleich welcher Nation oder Konfession.

Das macht Alevitentum aus!

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