Vorchristlicher, ritueller Tanz: „Kranichtanz“

Posted on 8. September 2012

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In der Nähe des Edersees an einem Maislabyrinth bin ich auf eine interessante Information über das sog. „kretische“ Labyrinth gestoßen:
„Das kretische Labyrinth (vorchristlich) hat sieben Umgänge. Als Labyrinth wurde der Ort bezeichnet, an dem der rituelle Tanz stattfand. Hier wurde in rituellen Tänzen (vermutluch in Reigentänzen), nach der damaligen Weltanschauung und die die Menschen umgebenden Kräfte aufrechterhalten und harmonisiert. Außerdem wurde sinnbildlich die Beziehung zwischen Himmel und Erde, Mann und Frau, Individuum und Gruppenmitglied getanzt bzw. erneuert. Daraus ergab sich das Wiedererwachen der Fruchtbarkeit in Mensch und Natur – ein neuer Zyklus begann.“

Schon in der Antike soll es einen sogenannten „Kranichtanz“ gegeben haben, der in Begleitung der Harfe abgehalten worden sein soll. Diesen habe wohl Homer auch in seinem Werk „Ilias“ erwähnt. Dabei verglich er den Tanz mit dem Hin- und Herbewegen einer Töpferscheibe.

So heißt es auf www.arth-online.ch:

Der Kranichtanz
Seit der Antike gab es auf der griechischen Insel Delos einen ‚Geranos‘ genannten Reigen, den eben dieser Theseus gestiftet haben soll. Bei diesem „Tanz der Kraniche” beschrieb eine Tänzerkette aus jungen Männern und Mädchen eine Labyrinthfigur auf den Tanzboden. Die Tänzer waren mit einem Seil, dem Ariadnefaden, verbunden, den alle mit einer Hand festhielten. Getanzt wurde nachts und im Schein von Fackeln. Berichtet wird auch, dass die Männer während des Tanzes sangen, die Mädchen aber schweigend tanzten. Der wichtigste Tänzer war der Chorführer am Anfang des Seiles. Er führte die Mittänzer ins Labyrinth hinein bzw. hinaus und musste dafür sorgen, dass die Kette sich nicht verwirrte. Falls der Vortänzer aus dem Schritt kam, büßte er erheblich an Ansehen bei seinen Mittänzern ein: Er hatte den «Faden verloren» und damit sich und die anderen aus der glücklichen Versunkenheit des Tanzes gerissen.“

Weiter wird hier beschrieben:

„Tod und Wiedergeburt
Der in tiefer Nacht ausgeführte „Geranos” fand in Gegenrichtung zum Sonnenlauf statt, also in der Richtung des Todes. Das Ende des Tanzes, der Ausgang des Labyrinths. entsprach dann der Wiedergeburt. Der Labyrinth-Tanz symbolisiert so den schwierigen Weg von der Geburt bis zum Tod und zur Wiedergeburt, in dessen Zentrum Tod und Wiedergeburt zugleich stehen, das Hinein- und wieder Hinausgehen, Sinken und Steigen, der Abstieg in die Tiefe und das Aufsteigen zu den Höhen.

Doch Dr. Robert Langer von der Universität Heidelberg, der die Ritualdynamik erforscht meint: „Leider kann man die minoische Sprache der Kreter bis heute nicht  verstehen. Insofern haben wir keine textlichen Quellen aus erster Hand, was ihre Kultur und Religion betrifft. Insgesamt ähnelt das aber wohl schon alten, vorschriftlichen Kulturen in Kleinasien wie zum Beispiel dem Stierkult in Çatal Höyük“. So dient seine Aussage als ein geeignetes Fazit: 

„Auch den ‚Derwisch-Sema‘ hat man versucht, mit  antiken Tänzen in Beziehung zu setzen. Nur wissen wir leider nicht,  wie genau antike Tänze ausgesehen haben.“

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Posted in: Geschichte