Safawiden

Posted on 18. September 2012

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Mit der Einflussnahme des Osmanischen Reiches im Orden der Haci Bektas nahmen orthodoxe Elemente zu. Dadurch wurde ein Abgrenzung dieses Ordens deutlich. Anderseits wurde 1501 das Reich der Safawiden gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es Gruppierungen, die den orthodoxen Islam ablehnten und eine mystische Interpretation bevorzugten. Darunter waren Turkmenen genauso wie kurdische Stämme.

Die Safawiden boten ihnen den Raum für die mystische Interpretation ihres Glaubens. Außerdem waren sie Anhänger Alis. Identitätsstiftend waren hier auch das Bekenntnis zu den 12 Imamen. Die Safawiden trugen eine rote Kopfbedeckung mit 12 Schichten. Dadurch waren sie eine nach außen erkennbare Einheit. Fortan wurden sie von den gegnerischen Osmanen „Kizilbas“ (=“Rothäupter“) genannt.

Im 13. Jahrhundert zogen Mongolen-Stämme in den Westen. Vor ihnen fliehend kamen Menschen nach Anatolien, wie zum Beispiel
Haci Bektasi Veli. Es entstanden Sufi-Orden. Es gab‘ aber keine einheitliche Religion. Die damaligen Aleviten wurden als “Häretiker” (eine Lehre, die im Widerspruch zur vorherrschenden islamischen Lehre steht und beansprucht, selbst die Wahrheit richtiger zum Ausdruck zu bringen) betrachtet.

Sah Safi ad-Din

Diese Gemeinschaft führt ihre Entstehung und das Geschlecht ihrer Ordensmeister auf den Scheich Safi ad-Din zurück, der zu dieser Zeit bei Ardabil geboren wurde. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts beschränken sich die safawidischen Scheiche von Ardabil, die die Titel “Pir” (=”Ältester”) oder “Mürsid” (=”Leiter”) führen, auf die geistliche Führung. Erst Scheich Cüneyt (Ordensmeister seit 1447) nutzt die Stärke der Derwische für politische Zwecke. Deshalb wurde er von “Karakoyunlu” (=”der schwarzen Horde”) verfolgt.

Haydar

Auf Cüneyt folgte als Ordensmeister sein Sohn Haydar, der bei seinem Onkel Uzun Hasan aufgewachsen war und die schwarze Horde besiegte. Mit 17 Jahren heiratet Haydar seine Base Fürstin Marta (Tochter von Uzun Hasan, Enkelin des letzten Kaisers von Trapezunt). Er bewaffnete seine Derwische und ließ sie in blauben Kutten und roten Turbanen mit 12 Windungen, auf denen jeweils die Namen der 12 Imame stand, ausstatten. Aufgrund dieser Kopfbedeckung wurden die ardabiler Münche bald “Kizilbas” (=”Rotköpfe”) genannt. Diese wurde auch “Haydar”-Kappe genannt. Haydar stirbt in der entscheidenden Schlacht gegen seinen Vetter um die Throne von Täbris (1488).

Sah Ismail

Haydar hinterlässt drei Söhne, Sultan Ali, Ismail und Ibrahim. Sie werden zunächst eingesperrt. In den Machtkämpfen um den Thron mit “Akkoyunlu” (=”der weißen Horden”) stirbt der Älteste. Ismail jedoch wird gerettet und übernimmt die Führung des Ordens. Ihm folgen die Jünger mit solch einer religiösen Begeisterung, dass sie teilweise ohne Waffen in den Kampf ziehen und tatsächlich zieht er 1501 in Täbris ein. Er lässt das Bekenntnis an die zwölf Imame ausrufen. Die damals mystisch gläubigen Anhänger, die die orthodoxe Ausrichtung nicht befürworteten unterstützten ihn nicht mehr, so dass er gezwungen war Sklaven aus eroberten Gebieten “einzusetzen”. In folgenden Jahren verößert er sein Reich durch seine kriegerischen Siegeszüge. Sultan Selim I, der das Osmanische Reich beherrschte, hatte die “Gefahr” im Osten erkannt. Er befahl die allgemeine Verfolgung der Anhänger Alis, bei der 40.000 getötet worden sein sollen. Im Jahre 1514 besiegte Sultan Selim I in der Schlacht von Çaldiran Sah Ismail. Er stirtbt 1524 mit 37 Jahren – doch sein Reich lebt weiter. Das ist ein wegweisender Einschnitt für die gesamte Region Kleinasiens und dem Orient.

Unter Safawiden waren Kizilbaschs mit der Staatsmacht verknüpft

„Zeitgleich zum Safawiden-Reich entstand im 15. Jahrhundert das konkurrierende osmanische Reich. Dort sei der offizielle Staatsdiskurs immer mehr mit dem islamischen Diskurs verknüpft worden. Wer hier nicht guter Muslim und damit als guter Staatsbürger galt, habe bei der Safawiden-Dynastie und den Kizilbasch Zuflucht finden können. Doch auch im Safawiden-Reich gerieten diese unter Druck, so dass sie schließlich nur noch auf „kleinen Inseln“ in Anatolien hätten überleben können. Genau in dieser Zeit haben sich für Prof. Riza Yildirim (TOBB Universität, Ankara) das Wesen des Alevitentums, dei Geisteshaltung und die zentralen Traditionen herausgebildet.“*

Weiter: Der Orden des Haci Bektas-i Veli

*) aus „IM PLENUM Kompakt“, Herausgeber: Konrad-Adenauer-Stiftung, September 2012

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