Historie: Region Dersim passt nicht ins Nationalstaat-Modell

Posted on 11. Oktober 2012

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KocgiriBei der Betrachtung der Republiksgründung der Türkei muss man zwingend auch auf zeitgleiche Entwicklung in Europa schauen. Dadurch dass mit dem Ende des Osmanischen Reiches und der Gründung der Republik ein zumindest formaler Systemwechsel durchgeführt wurde, befindet sich die junge Republik in der Findungsphase. Und sie definiert sich ausschließlich über die türkische Identität: „Eine Ethnie, eine Konfession, eine Nation!“ ist die Devise. Necdet Sarac schreibt in seinem Buch „Politische Geschichte der Aleviten“ über die Entwicklung:

„Wie in Deutschland verschmelzen in der jungen türkischen Republik der Staat und die Partei. Macht wird zentralistisch ausgeübt. Mussolinis Italien und Hitler-Deutschland stehen dafür Modell.“

Die Menschen in den Gebieten Kocgiri und Dersim möchten ihren informellen Teilautonomie-Status aus dem Osmanischen Reich in die Republik Türkei retten. Doch das widerspricht dem „Nationalstaat“-Modell.

Die Region Dersim ist weiter gefasst als das heutige „Tunceli“. Sie umfasst die gesamte Region zwischen Van und Erzurum bis Sivas und grenzt somit direkt an die Kocgiri-Region. Die Stämme in Dersim haben sich nicht zwischen türkischen und russischen Streitkräften als Munitionsfutter geopfert, wozu sie von verschiedenen Seiten angeregt wurden.

In der Zeit der Befreiungskämpfe der Türken werden im Westen in der Konferenz von San Remo (1920) bereits die Territorien zwischen den Siegermächten aufgeteilt.

 

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