Historie: Aus „Dersim“ wird „Tunceli“

Posted on 19. Oktober 2012

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Am 25. Dezember 1935 wird das „Tunceli-Gesetz“ verabschiedet: Die Stadt „Dersim“ bekommt den neuen Namen „Tunceli“ (=“Eiserne Hand“). Mit dieser Umbenennung singalisiert die Herrschaft schon was geplant ist. Das Gouvernement von wird so umstrukturiert, dass Tunceli, Erzincan, Bingöl und Elazig zusammengefasst werden zu einem „Wilayet“ – und Elazig das Zentrum wird. In die Infrastruktur soll investiert werden, um die Stadt besser zu erreichen, vor allem Brücken und Straßen werden gebaut. Die Region Dersim/Tunceli hatte zu dieser Zeit 765.000 Einwohner. Die Menschen dort haben noch ihre Waffen aus der Zeit der russischen Besatzung. Diese sollen sie zurückgeben, was sie aber nicht tun. So werden militärische Stützpunkte in die Region gebaut. Die Bitte Seyid Rizas das Tunceli-Gesetz zurückzuziehen, bleibt unerhört. Die Vertreibung der Menschen ist präzise geplant (aus einem Bericht vom 18.11.1931 an Mustafa Kemal):

347 Familien sollen iin den Westen, davon

  • 72 nach Tekirdag
  • 38 nach Edirne
  • 56 nach Kirklareli
  • 65 nach Balikesir
  • 73 nach Manisa
  • 34 nach Izmir

Der Fall „Dersim“

Am 4.05.1937 werden nach einer Ministerrunde, an der Mustafa Kemal und der Oberste Befehlshaber Fevzi Cakmak teilgenommen haben, aufgrund des Beschlusses per Flugzeug Flugblätter über Dersim/Tunceli abgeworfen. Sie enthalten 3-sprachigen Texte sinngemäß:

„Ihr seid umzingelt. Folgt unseren Anweisungen. Andernfalls wird die vernichtende Armee der Republik euch ausschalten. Das ist das letzte barmherzige Angebot der Republik. Lest diese Meldung mit euren Angehörigen und antwortet innerhalb von 24 Stunden. Sonst werden sich die vernichtenden Kräfte in Bewegung setzen, was wir nicht hoffen.“

Planungsgemäß starteten die Militärfliege von Diyarbakir um Dersim/Tunceli zu bombardieren – unter den Piloten auch die Ziehtochter Mustafa Kemals Sabiha Gökcen. Es gibt zu diesem Zeitpunkt keinen Aufstand. Die Menschen in der Region wollten sich nicht der Assimilationspolitik der Regierung unterordnen. Mit der Zunahme der Anzahl von Angriffen teilen sich die Stämme in Dersim/Tunceli auf. Die Stämme Bahtiyar, Yukari Abbas, Demenan und Haydaran wehren sich mit Waffengewalt. Die anderen Stämme unterstützen das Militär oder ergeben sich.

In „Die Stimme der Aleviten“ Ausgabe 4/2012 heißt es: „Der Ausrottungsbefehl gegen das Volk von Dersim, der als ‚Dersim Bestrafungsoperation‘ in die Geschichte eingegangen ist, wurde auf einer Kabinettssitzung am 4. Mai 1937 beschlossen. Am selben Tag noch wurde Dersim bombardiert. Die Operation dauerte fast 2 Jahre. In ihrem Verlauf wurden mehrere zehntausend Menschen getötet, ebenso viele an unbekannte Orte deportiert. Familien wurden außeinandergerissen, die Intelligenz widerrechtlich und mit außergesetzlichen Verfahren zum Tode verurteilt. Verwandte von Exekutierten sind noch immer auf der Suche nach Gräbern ihrer Vorfahren. […]“

 

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