Lehre: Gotteserkenntnis

Posted on 25. Oktober 2012

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„Bilirim aslını nursun gevhersin

Bütün mevcudatta her şeyde varsın“

Aşık Veysel

Ich weiß das Wahre, bist das Licht, die Existenz

In allen Geschöpfen bist du vorhanden.“

Aşık Veysel

Das Gottesverständnis und Bekenntnis der Aleviten

Das Alevitentum bietet eine umfassende Weltsicht und im Hinblick auf die spezifisch alevitische Weltsicht wird deshalb zu recht in Veröffentlichungen die Eigenständigkeit des Alevitentums betont. Aleviten glauben an den einen Gott (Allah/Hak). Gott ist für die Aleviten ein Schöpfer, der Gerechte, der Allgegenwärtige und der Weise und lässt zugleich alle Lebenwesen an sich Anteil haben.

Gott hat alles geschaffen, was existiert. Nach dem Glauben der Aleviten wollte Gott durch die Schöpfung sein Geheimnis offenbaren. Die Aleviten bekennen sich zu Gott als dem Schöpfer und sprechen von einer liebevollen Beziehung zwischen Gott und den Menschen.

Aleviten glauben an den Propheten Muhammed als den Gesandten Gottes sowie an den Weisen Ali als den Auserwählten Gottes und drücken dies in ihrem Glaubensbekenntnis aus: „Ya Hak, ya Muhammed, ya Ali“. Sie glauben an eine geistige Gemeinsamkeit die Gott, Muhammed und Ali so umfasst, dass es angemessen ist, diese Gemeinsamkeit als „eins“ zu beschreiben.

Aleviten glauben an eine heilige Kraft des Schöpfers, die auf die Menschen als „Seele“ (=“can“) übertragen wurde. Der Spruch „Wir kommen von Gott und gehen zu Gott“ gilt lediglich für die Seele, jedoch nicht für den Körper. Nach diesem Glauben wird der Mensch (gemeint ist hier die Seele des Menschen) als Widerspiegelung (=“yansima“) Gottes betrachtet. Aus dieser Überzeugung heraus malen Aleviten das Gotteswort als Menschenantlitz – als Ausdruck des Glaubens, dass Gott sich seinen Menschen in seinem Wort auch in einem menschlichen Antlitz zeigen will.

Nach alevitischem Verständnis hat jeder Mensch – sei er Alevit, Christ, Sunnit, Schiit, Frau oder Mann – Anteil an der heiligen Kraft.

Gott will seine Schöpfermacht und Schönheit durch die Erschaffung des Menschen zeigen. Hier wird auch als Ausdruck der Gerechtigkeit Gottes betont, dass Gott keinen Unterschied macht in seiner Zuwendung zu seinen Menschen. Aus dieser Überzeugung heraus glauben Aleviten daran, dass Gott alle Menschen gleichwertig geschaffen hat.

Aleviten kennen keine Furcht vor Gott, sondern vertrauen darauf, dass sie bei Gott Geborgenheit und Zuflucht finden. Sie glauben daran, dass Gott die Menschen aus Liebe geschaffen hat. Nach diesem Verständnis ist der Mensch das vollkommenste Lebewesen im Universum. Eine Kernaussage des alevitischen Glaubens, dass Gott die Menschen aus seiner eigenen heiligen Substanz geschaffen hat, bedeutet, dass der Mensch selbst ein heiliges Geschöpf ist. Deshalb wiederholen Aleviten sehr oft diese Erkenntnis in der Form des Spruches:

„Der Mensch ist in Gott und Gott ist im Menschen.“

Aleviten glauben, dass jeder Mensch seine heilige Kraft, die eine Gabe Gottes ist, selbst entdecken kann. Gott hilft und gibt den Menschen Kraft, diesen Weg einzuschlagen. Ungerechtigkeiten kommen nicht von Gott – deshalb sollen Menschen nicht von Gott erwarten, dass er die von ihnen in die Welt gesetzten Ungerechtigkeiten beseitigt. Dafür gab Gott dem Menschen Verstand.

Quelle: Die Stimme der Aleviten 1/2012

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