Levent Mete: Das Alevitische Manifest

Posted on 5. November 2012

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Das Alevitische Manifest

Das Alevitische Manifest

Bildungsreferent und Autor Levent Mete stellt sein neu erschienenes Werk „Das Alevitische Manifest“ vor:

„Das Alevîtum ist eine religiöse Soziokultur mit mystisch-esoterischen Grundzügen, dessen Geschichte alt, doch deren Geschichtsschreibung neu ist. Die Alevîs sind nicht nur in verschiedene Volksgruppen unterteilt, sie haben auch verschiedene Kultur- und Glaubenstraditionen, wodurch ihre Vereinigung bis jetzt nur unter dem Sammelbegriff „Alevî“ stattfinden konnte. Das Verlassen der traditionellen Siedlungen und die Abwanderung in Großstädte und das Ausland führte zu Strukturveränderungen, welche die Alevîs zur Neuformulierung, Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit ihrer Identität zwangen. Die dadurch entstandene Vielfalt an Interpretationen, Definitionen und Ideologien führte unweigerlich zu Konflikten und Spannungen untereinander. Im Zuge der Verschriftlichung werden wichtige Elemente des Alevîtums festgehalten und andere wiederum verfälscht oder missverstanden. So wächst der Bedarf an Aufklärung und Aufarbeitung mit den Mitgliedern in Vereinen und Verbänden.“
Dieses Buch basiert inhaltlich auf den Bildungsseminaren „Wer Sind Wir?“, die Mete in zahlreichen alevitischen Vereinen hielt. Es ist ein populärwissenschaftliches und kritisches Handbuch und verschafft dem Leser einen kompakten Überblick zum Thema Alevîtum und Alevîs.“

Aus dem Inhalt:
o Konfusion und Probleme der Alevî
o Begriffserklärungen
o Definitionsprobleme
o Alidische Glaubensgruppen
o Verschiedene Alevî-Arten/Typen
o Textauszüge/Reiseberichte/Zitate aus dem 18., 19. und 20. Jht.
o Ethnologie – Eckdaten
o Historischer und symbolischer Ali (der Mythos und das Symbol Ali/Daten und Fakten rund um Ali)
o Aspekte des Alidismus
o Das Schwert Alis und eine Analyse von Anatolien bis Babylon
o Unterschiede zwischen Alevî und Sünnî
o Mensch, Gott und Emanation
o Leben und Sterben
o Alevîtum und Islam
o Der Weg

Zum Autor:

Levent Mete wurde im Jahre 1979 im beschaulichen Nordhessen als Sohn einer Schneiderin und eines Bergmannes geboren. Als er 9 Jahre alt war, verunglückte der Vater in einem der tragischsten Grubenunglücke der deutschen Bergbaugeschichte tödlich. Daraufhin verschlug es Mutter und Sohn nach Istanbul. Dort erfuhr er im Alter von 11 Jahren von seiner alevîtischen Identität, als sein Religionslehrer von den unreinen Alevîs erzählte und Levent dies seiner Mutter berichtete.
Seine alevîtische Identität ließ ihn nie wieder los. Zurück in Deutschland kaufte er sich im Alter von 16 Jahren sein erstes Buch über das Alevîtum. Seine Türkischkenntnisse reichten allerdings nur zum Verständnis der ersten Kapitel. Er begann nach einem einfachen und vor allem auf Deutsch geschriebenen Buch zu suchen. Im Zuge dieser Suche häufte er türkisch- wie auch deutschsprachige Bücher an. Mit der Verbreitung des Internets begann er ab dem Jahr 2000 fleißig in Foren zu schreiben und zu diskutieren.
Im Jahre 2008 konnte Mete auf eine beachtliche Anzahl von Büchern, Dokumenten und eigenen Beobachtungen zurückblicken, was ihn dazu ermutigte, sein erstes Seminar für alevîtische Jugendliche zu halten. Hierbei ist ihm eine einfache und auf das Wesentliche beschränkte Wissensvermittlung auf Deutsch sehr wichtig.
Seitdem steht er als unabhängiger Bildungsreferent allen Interessenten zur Verfügung und hat nun mit „Das Alevîtische Manifest“ seine Seminararbeit zu einem Buch ausgebaut. Es basiert auf präzisen Beobachtungen des alevîtischen Umfeldes, wissenschaftlichen Publikationen, Sach- und Fachbüchern, alevîtisch-populärwissenschaftlichen Büchern, Internetpublikationen, historischen Textauszügen und eigenen Analysen.
Das Buch ist eine Art grobe Richtschnur und kritisches Handbuch und erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Gültigkeit oder Deutungshoheit des Alevîtums. Metes Ziel ist es, die jungen Alevîs zu inspirieren und sie zur Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Identität zu bewegen. Seine Arbeit sieht er als Tropfen auf den KALTEN Stein.

Buchkritik:

Das Buch „Das Alevitische Manifest“ ist ein Buch der ganz besonderen Art. Es ist fast schon magazin-artig geschrieben und enthält nicht unendlich lange Ausführungen. Es enthält ganz neue Quellen und eröffnet mit Fremdbetrachtungen neue Perspektiven. Gleichzeitig räumt es mit einigen Vorurteilen inner- und außerhalb des Alevitentums auf.

Das Handbuch ist nicht dazu gedacht es in einem Stück durchzulesen, sondern darin zu schmökern oder einfach mal etwas nachzuschlagen. Deshalb braucht das Werk auch keinen roten Faden, umso mehr wäre dann jedoch eine klarere Struktur notwendig, in der man sich schneller zurechtfinden könnte. Im vorderen Teil des Buches werden viele weitverbreitete Vorurteile gegenüber dem Alevitentum aber auch Irrtümer innerhalb des Alevitentums klargestellt – diesen ist inhaltlich nichts entgegenzuhalten. Allerdings sind sie quasi in Form von Thesen dargelegt ohne diese mit Nachweisen und Quellen zu stützen.
Ohne Frage sind diese Aussagen aber nötig, da sich das Alevitentum gerade in einer Neufindungsphase befindet und die Gefahr besteht, dass manche Irrtümer sich schnell verbreiten, zumal es in den jeweiligen Mehrheitsgesellschaften Assimilierungsbestrebungen gibt.

Hilfreich in der Form wären die besondere Hervorhebung von zitierten Texten (farblich unterlegt, kursiver Schrift), da gerade diese aus einer Zeit stammen, in der noch weniger über die Aleviten bekannt war und die deshalb krasse Falschaussagen beinhalten. Es ist hier besonders wichtig dem Leser deutlich zu machen, dass dies nur zitierte Quellen sind.

Insgesamt ist „Das Alevitische Manifest“ ein äußerst lesenswertes Buch, die eine neue Brise in die deutschsprachige Literatur über das Alevitentum bringt.

Das Alevitische Manifest, Autor: Levent Mete, Verlag Levent Mete, Mainz 2012 Seitenzahl: 405

ISBN: 978-3-9815316-0-2   Printed in Germany

Bezugsquelle: amazon.de

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Posted in: Alevitentum, Bücher