Historie: Das Massaker von Malatya 1978

Posted on 15. November 2012

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Schreiben Küçüktiryaki

Schreiben des Generaldirektors für Sicherheit Küçüktiryaki an General und Putschist Kenan Evren

Es verläuft genauso wie alle anderen Vorfälle auch – es gibt eine Blaupause dafür. In diesem Fall erhält der neu gewählte rechts-konservative Bürgermeister von Malatya eine Paketbombe – am 17. April 1978. Das nehmen die Rechtsextremisten als Anlass für ihr Blutbad.  Die Spiegel-Ausgabe 19/1978 berichtet:

„Aus den Kurdendörfern strömten bewaffnete Bauern in die Stadt, in der bereits die lokalen „Grauen Wölfe“ wüteten: eine Mord- und Terrororganisation der „Nationalen Bewegungspartei“ des Hitler-Verehrers Alparslan Türkes, eines Zyperntürken, der von einem neuen Großtürkischen Reich träumt.

In grünen Parkas mit dem Abzeichen der Grauen Wölfe, die Gesichter vermummt, stürmten die Türkes-Banden durch die Stadt, steckten Partei- und Versammlungslokale der Linken in Brand, plünderten Geschäfte, zerstörten vier Druckereien, drangen in Schulen ein und entführten Schüler — drei von ihnen wurden später gefoltert und ermordet vor der Stadt gefunden.

Zwei Tage lang beherrschte der Mob mit dem Schlachtruf „Rache für Hamido“ die Stadt, bis Militär eingriff. Erst als tausend Soldaten die Stadt von der Umgebung abgeschnitten hatten und Düsenjäger im Tiefflug über die Dächer heulten, kehrte wieder Ruhe ein. Bilanz des Malatya-Aufruhrs: acht Tote, 60 Verletzte, 230 Verhaftete, 473 zerstörte Häuser.“

Im November 2012 wurde ein Schreiben des Generaldirektors der Sicherheit Refet Küçüktiryaki bekannt (Radikal 12.11.2012), in dem dieser sich mit dem Massaker in Malatya brüstet, sinngemäß: „Ich habe das Aleviten-Kizilbasch-Genozid im Namen des Staates begonnen. Nach dem Eregnis 1976 in Malatya Beylerderesi habe ich im Malatya-Zentrum 40.000 Aleviten Blut spucken lassen. Nach Sultan Selim bin ich der größte Feind der Aleviten-Kizilbasch.“

In Beylerderesi wurden am 26. Januar 1976 die drei Linksextremisten İlker Akman, Hasan Basri Temizalp und Yusuf Ziya Güneş erschossen. Interessanterweise schreibt Küçüktiryaki in dem Brief an Kenan Evren, dass er nicht vom vorherigen Ministerpräsidenten Süleyman Demirel berufen wurde sondern auf Empfehlung der Amerikanischen Botschaft in Ankara.

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