Lehre: Cem-Haus I

Posted on 19. November 2012

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Einleitung

Das Cem-Haus (cemevi) bedeutet das Haus der Zusammenkunft. Es ist das Gebetshaus und -stätte der Aleviten. Dadurch, dass das Cem selbst nicht nur das Gebet beinhaltet, sondern viele weitere Elemente wie zum Beispiel das Streitschlichten und die Vermittlung der alevitischen Lehre selbst, ist das Cem-Haus schon mehr als nur ein Gebetshaus. Natürlich ist auch die Bestattungszeremonie eine wichtige Funktion. Traditionell wurden Cems in von der Größe geeigneten Häuser abgehalten, denn in den ländlichen Siedlungsgebieten gab es keine anderen Möglichkeiten. Lediglich bedeutende Geistliche hatten, vor allem in den Städten, eigene Klöster wie die Karacaahmet Türbesi oder Sahkulu Dergahi in Istanbul, Hüseyin Gazi Türbesi in Ankara oder Abdal Musa Dergahi in Elmali bei Antalya. Erst in den 1960er und 70er Jahren hat man in Folge der Landflucht begonnen Gebäude nur zum Zweck der Nutzung als Cem-Haus einzurichten bzw. zu bauen. Während das in der Türkei oft noch verdeckt als „Kulturzentrum“ geschieht und diese leider staatlich nicht als Gebetshäuser anerkannt werden, haben Aleviten in Deutschland die Möglichkeit dies problemlos zu tun. Der Bildungsbeauftragte der AABF (Alevitische Gemeinde Deutschland e. V.) beschreibt die Cem-Häuser so:

„Merkmale von Cemhäusern

Cem-Häuser sind die Gebetshäuser der Aleviten, die wie alle Gebetshäuser bestimmte innere und äußere bauliche Kriterien erfüllen müssen. Auch das Cem-Haus muss bestimtte Kriterien erfüllen: ideal wäre eine runde Form, die allerdings nicht an feste unveränderbare äußerliche Merkmale gebunden ist. Das Äußere des Gebäudes soll weder durch bauliche Signale die Blicke als Gotteshaus auf sich ziehen, noch soll es die Gläubigen öffentlich zum Gebet auffordern. Je nach Gegebenheit (Stadtbild) und Bedarf (Größe der Gemeinde) wird ein Cem-Haus errichtet. Die inneren Merkmale der Gebetsstätte sind wie folgt zu beschreiben:

  • Ein Raum, der Platz hat die Gemeinde mit Frauen, Männern und Kinder aufzunehmen, da die Cem-Zeremonie gemeinsam abgehalten wird.
  • Eine leicht erhöhte Sitzposition (post) für die Geistlichen, die die Cem-Zeremonie leiten.
  • Einen Platz in Form eines Halbkreises (meydan) zwischen den Geistlichen und der Gemeinde, um bestimmte Rituale abzuhalten.

Der Halbkreis wird durch die auch im Halbkreis sitzende Gemeinde zu einem Kreis vervollständigt. Im Cem muss die gaze Gemeinde Antlitz zu Antlitz sitzen. „*

*) Quelle: Cem-Haus . Gebetshaus/-stätte der Aleviten von Ismail Kaplan, Alevilerin Sesi 10/2012

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