Lehre – Cem I: Versammlung der Heiligen Vierzig

Posted on 26. November 2012

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Der alevitische Gottesdienst ist eine Nachahmung der Zusammenkunft der Vierzig Heiligen, die der Heilige Mohammed am Ende seiner Himmelfahrt traf. Diese Zusammenkunft git als „Ur-Cem“, an das jeder alevitische Gottesdienst errinnert. Im Buch Buyruk wird dies wie folgt dargestellt:

„Als Mohammed von der Himmelsreise zurückkehrte, sah er in der Stadt ein Heiligtum, das seine Aufmerksamkeit erregte. Er ging bis zur Tür. Drinnen unterhielten sich einige Personen. Muhammed klopfte an, um einzutreten. Jemand rief von innen: „Wer bist du? Wozu willst du kommen?“ Mohammed antwortete: „Ich bin der Prophet. Lasst mich herein. Ich möchte die schönen Gesichter der Heiligen sehen.“ Von drinnen ertönt es: „Ein Prohphet hat in unserer Runde keinen Platz. Geh und sei Prophet deiner Gemeinde!“ Daraufhin wandte sich Mohammed von der Tür ab. Doch er hörte er die Stimme: „Mohammed, geh‘ zu jener Tür!“ Diesem Gebot folgte er und ging erneut zur Tür und klopfte an. Auf die Frage „Wer ist da?“ antwortete der Prohpet erneut: „Ich bin der Prophet! Lasst mich herein! Ich möchte eure gesegneten Gesichter sehen.“ Er wird wieder abgewiesen und als er gehen will, hört er erneut die Stimme, die ihn auffordert zur Tür zu gehen. Als er nun ein drittes Mal um Einlass bittet, beantwortet er die Frage nach seiner Identität so: „[Der Herrscher eines Volkes ist jener, der ihm dient.]* Ich bin ein Diener der Armen und habe nichts. Ich bin gekommen, Euch zu sehen, erlaubt ihr mir einzutreten?“ Dieses Mal öffnet sich die Tür, und er wird herzlich willkommen geheißen. Er sagt: „Die heilige Tür, die Tür der Wohltaten, steht offen. Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes.“ Mohammed schaut sich um und zählt 22 Männer und 17 Frauen. Die Gläubigen stehen auf und bieten ihm einen Platz an. Er setzt sich neben Ali ohne diesen zu erkennen. Mohammed fragt: „Wie ist eure Rangordnung, wer ist der Oberste unter euch?“ Die Antwortet lautet: „Wir sind alle gleich, die Niedrigen sind auch die Höheren, wir Vierzig sind eins und einer ist wie wir Vierzig.“

Da bemerkt Mohammed: „Aber einer fehlt, ich zähle nur 39, wo ist er?“ Er erhält als Antwort: „Das ist Salman², er ist auswärts und sammelt Gaben. Auch er ist!“ Doch wie kann jemand unterwegs und trotzdem anwesend sein. Mohammed bittet, ihm dies zu beweisen. Ali streckt seinen Arm aus. Einer der Vierzig erbringt einen „destur“: Er schneidet mit Erlaubnis mit einem Messer in Alis Arm. Dieser beginnt zu bluten und im gleichen Moment bluten alle anderen auch. Durch das Fenster fällt ein Tropfen Blut in ihre Mitte – es ist das Blut des abwesenden Selman. Einer verbindet Alis Arm, woraufhin auch die Blutung der anderen gestillt wird.

Dann erscheint Selman und überreicht Mohammed eine Traube mit der Bitte sie unter den Anwesenden aufzuteilen. Der Prophet ist zunächst ratlos und während er darüber nachdenkt, wie er eine einige Traube aufteilen soll, spricht Gott zu Gabriel: „Unser geliebter Mohammed ist in Not, eile ihm zu Hilfe! Holte aus dem himmel einen leuchtenden Teller und übergib‘ ihm diesen! Darin soll er die Traube zerdrücken und den Saft (serbet) an die Vierzig verteilen.“ Mohammed tut dies so und zerdrückt die Traube mit seinem Finger. Die Vierzig trinken von dem Saft und geraten in Ekstase – wie bei der Schöpfung. Sie stehen auf und rufen „Hu!“ (Oh, Gott!). Sie erheben ihre Hände und beginnen den Semah durchzuführen – Mohammed tut es ihnen gleich. Der Semah findet in einem göttlichen Licht statt. Während des Semah fällt Mohammeds Turban zu Boden und bricht in vierzig Streifen, welche die Vierzig sich um die Hüften binden.

Später fragt Mohammed nach ihrem Pir (Leiter) und ihrem Rehber (Wegweiser). Er erhält die Antwort, zweifelsohne sei Ali ihr Pir und Gabriel ihr Rehber. Jetzt erst bemerkt Mohammed, dass auch Ali unter ihnen ist. Ali geht auf Mohammed zu und dieser bietet ihm einen Platz an. Die Vierzig schließen sich Mohammed an und verneigen sich vor Ali.“

*) Güzelmansur beschreibt die Versammlung der Heiligen Vierzig ausführlicher in seinem Werk ‚Gott und Mensch in der Lehre der Aleviten‘, darin heißt es auch: „… dem Buyruk zufolge wurd der erste Cem im Himmel gehalten.“

²) Im gleichen Buch ist auch erklärt: „Salman al-Farisi (Salman der Perser) – das Datum seiner Geburt in Isfahan ist nicht bekannt, gestorben ca. 656 – auch Salman al-Pak (Salman der Reine) genannt, gilt als eine halblegendäre Gestalt der frühen islamischen Gesichte und Genosse des Propheten Muhammed. In der extrem schiitischen Tradition gehört er nach Ali zu den göttlichen Emanationen und gilt als einer der nussayrischen Triade, die aus ‚Ayn‘ (Ali), M (Mohammed) und S (Salman) besteht.

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