Ali ibn Abi Talib – sein Leben

Posted on 19. Dezember 2012

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Ali ibn Abi Talib

Ali ibn Abi Talib

Der Heilige (Hazreti) Ali ist zusammen mit dem Propheten Mohammed die zentrale Person im Alevitentum.

Ehe die Bedeutung und seine Funktion erläutert wird, zunächst ein kurzer Einblick in seine Biographie:

Sein eigentlicher Name ist Ali Ibn Abi-Talip. Ibn bedeutet „Sohn des“, also Sohn des Abi-Talip. Ali hingegen bedeutet „der Hohe“, „der Erhabene“. Muslime aller Strömungen fügen seinem Namen das Kürzel Hz. für „Hazreti“ (Heiliger) hinzu.

Nach alevitischer Überlieferung ist er am 21. März 598 n. Chr. vermutlich in Mekka auf die Welt gekommen. Er war der Vetter des Propheten Mohammed und mit dessen Tochter Fatma (Fatima) liiert. Nachdem die Eltern und Großeltern Mohammeds verstorben waren, kam Mohammed unter die Obhut von Alis Vater.

Neben der familiären Bindung zwischen Ali und Mohammed war Ali zudem – nach schiitischer und alevitischer Überlieferung – treuester Gefährte Mohammeds. Nach Hatice (Chadidscha), Mohammeds erster Gemahlin, nahm er als Jugendlicher den Islam als seine Religion an. Nach dem Ableben Mohammeds und dem danach entfachten Streit um das Kalifat wurde Ali über mehrere Jahre in die Opposition gedrängt.

Erst nach den Kalifatsperioden von Ebu Bekir, Ömer und Osman übernahm Ali um 556 n. Chr. das Kalifat und somit die Führung der islamischen Gemeinschaft (umma). Jedoch stieß er auf heftige Ablehnung, so dass seine Widersacher – geführt durch die aristokratische Familie der Umayyaden und deren Oberhaupt Muawiya– in Damaskus ein Gegenkalifat gründeten.

Auch wenn Ali die militärischen Auseinandersetzungen für sich entscheiden konnte, wurde er während eines Gebets von Ibn Mülcem, vermutlich ein Gehilfe Muawiyas, mit einem vergifteten Dolch erstochen. Die bisherigen Schilderungen beschrieben die politische Person Ali Ibn Abi-Talips.

Für Aleviten ist jedoch der Heilige Ali als Gelehrter und Träger des göttlichen Wissens wesentlich zentraler.

Die besondere Verehrung, die Ali Zuteil wird, ist durch eine Aussprache Mohammeds (Hadith) anschaulich zu erklären:

Wenn ich die Stadt der Weisheit wäre,

wäre Ali ihr Eingang“.

Die Weisheit, die im Alevitentum durch Mohammed personifiziert wird, kann nur durch Ali, durch dessen Weg erlangt werden. Es wurde erwähnt, dass das Ziel

jedes Aleviten ist, ein vollkommener, weiser Mensch (İnsan-i Kamil) zu werden. Nach alevitischer Denkweise ist die Weisheit des Propheten und des Korans nur durch Ali richtig zu verstehen.

Aus soziologischer Sicht ist Hz. Ali ebenfalls der Prototyp des edelmütigen Ritters. „Es gibt keinen tapfereren Helden (Ritter) als Ali und kein besseres Schwert als das Zülfikâr (La feta illa Ali, la seyf illa Zulfikâr)“ ist der Ausspruch, der Imam Ali

die Stellung des ritterlichen Ideals (gazilik) par excellence zuschreibt.

Hz. Ali wird auch der Löwe Gottes (Haydar) genannt. Die Doppeldeutigkeitschließt sowohl auf die eben erwähnten ritterlichen Tugenden Alis als auch auf den Kampf mit dem eigenen Ego. Der Löwe Gottes überwindet und besiegt den so genannten Drachen der niederen Triebe (nefs).

Das Glaubensbekenntnis der Aleviten hängt dem allgemeinen islamischen Glaubensbekenntnis einen dritten, an Ali gerichteten, Teil an:

Es gibt keine Gottheit außer Gott, Mohammed ist der Gesandte Gottes und Ali ist der Statthalter Gottes“

La ilahe illallah, Muhammed er-Resulullah, ve Aliyyen Veliyullah“

.Ali wird auch im Sunnitentum verehrt, jedoch nicht in dem Ausmaß wie im Aleviten und im Schiitentum. Lediglich die politische Person Ali Ibn Abi-Talips ist im Sunnitentum bedeutend.

Am 22. Januar 661 (15. Ramadan 40) fiel Ali in Kufa einem Attentat von Ibn Muldscham zum Opfer. Er wurde in der Moschee beim Gebet hinterrücks erstochen. Er starb am Sonntag, dem 24. Januar 661 (17. Ramadan 40), durch die schweren Verletzungen. Er wurde 63 Jahre alt und starb im selben Alter, in dem auch der Prophet Mohammed starb.

Quelle: Profil alevitischer Kinder- und Jugendarbeit in NRW 2006, AAGB

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