Orden aus dem Sufismus: Bektaschiten

Posted on 4. Januar 2013

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Wenn wir auf die Entwicklung des Sufismus schauen, können wir verschiedene Merkmale feststellen. Schimmel schreibt dazu, dass „Sufi-Zentren“ scheinbar alltägliche Sorgen wie „Hundebisse“, „Liebeskummer“ und „Kinderlosigkeit“ heilen. Tatsächlich gibt es heute noch an verschiedenen Stätten in Anatolien „Wunschbäume“, die überhäuft sind mit Schleifen, die diesen oder jenen Wunsch erfüllen sollen. So berichtet Annemarie Schimmel in ihrem Werk „Eine Einführung in die islamische Mystik“:

„Ein besonders interessanter Orden ist die Bektaschiyya, die auf den 1337 verstorbenen Haci Bektas zurückgeführt wird. In ihr werden [im Gegensatz zu Celalettin Rumi/Mevlana – Anm. d. Red) auch Frauen zugelassen  […] Die Bektaschiyya hat zahlreiche schiitische Elemente aufgenommen und steht in der Doktrin den Lehren Ibn ‚Arabis nahe. Die im späten 14. Jahrhundert in Iran entstehende Bewegung der Hurufis, ‚die sich der esoterischen Auslegung der arabischen Buchstaben widmen‘ hat auch die Bektaschis beeinflusst […]“

Außerdem erwähnt sich den Scheich Bedreddin: „Man darf hier einen zu einer anderen mystischen Tradition gehörenden Sufi-Rebellen nicht vergessen –  das ist der Theologe und kluge Interpret Ibn’Arabis: „Bedreddin der Sohn des Qadis von Simawna, der für die Zusammenarbeit von Muslimen und Christen eintrat und gegen Sultan Mehmet I. rebellierte; er wurde 1415 in Serez in Makedonien gehängt. Seine Persönlichkeit hat den türkischen kommunistischen Dichter Nazim Hikmet zu gewegenden Gedichten inspiriert.“

Schimmel resumiert:

„Doch auch die Dynastie der Safawiden, die 1501 an die Macht kam und die schiitische Form des Islam zur Staatsreligion machte, entstammte einem Sufi-Konvent, dem von Ardabil. Typischerweise wird Scheich Ismail I. (reg. 1501-1524) in den arabischen Quellen immer „der Sufi“ genannt, und auch europäische Werke des 16. und 17. Jahrhunderts bezeichnen den Herrscher Irans als „Sophi“. Doch obgleich etliche Orden schiitische Tendenzen hatten (wir nannten schon die Bektaschis, könnten aber auch indische Mischformen hinzufügen), entwickelten sich nur wenige eigenständige Bruderschaften in Iran nach 1500. Die Ähnlichkeiten zwischen der Struktur der Schia mit ihrem unerschütterlichen Glauben an die Unfehlbarkeit des Imams und der völligen Hingabe des Sufis an seinen Pir sind oft bemerkt worden.“

Quelle: „Sufismus – Eine Einführung in die islamische Mystik“, Annemarie Schimmel, C.H.Beck, 2003