Spuler-Stegmann: Neue Religion mit alten Wurzeln

Posted on 7. Januar 2013

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Ursula Spuler-Stegmann ist Turkologin und hat Orientalistik und u. a. vergleichende Religionswissenschaften studiert und Honorarprofessorin an der Philipps-Universität in Marburg. Im Jahr 2003 erstellte sie in dieser Position im Auftrag des Bildungsministeriums NRW ein Gutachten darüber, ob die Alevitische Gemeinde e. V. in Deutschland eine Religionsgemeinschaft sei. Interessante Passagen aus diesem Gutachten sollen an dieser Stelle zitiert werden.

Natürlich muss in diesem Zusammenhang das Gutachten auch eine Aussage darüber treffen, ob das Alevitentum innerhalb oder außerhalb des Islams sei. Hierzu zitiert Spuler-Stegmann Karin Vorhoff, die sie als ausgewiesene Aleviten-Expertin bezeichnet:

„Zuallererst steht für die Mehrheit der Aleviten außer Frage, dass das Alevitentum dem Islam zugehört. Und zwar vertrete er eine Deutung des Islam, die direkt auf Ali zurückgehe, den der Prophet als seinen treuesten Weggefährten zu seinem Nachfolger im geistigen und weltlichen Amt designiert habe. Dieser Islam entspreche nicht etwa dem Gesetz, wie dem der Scharia, sondern sei eine Botschaft, die in Zeit und Raum offen sei für Veränderung.“

Spuler-Stegmann erinnert daran, dass für einen Religionswissenschaftler die Frage, zu welcher Religion eine religiöse Gruppierung angehört, primär durch die Selbstzuordnung der Betroffenen beantwortet wird. Ismail Onarli schildert es demnach so:

„Das Alevitentum ist das Ergebnis einer in Anatolien entstandenen Synthese, in die viele verschieden Glaubensvorstellungen und Kulturen eingingen; es ist eine Lebensform, eine Glaubenslehre, ein kulturelles System und eine sozio-ökonomische Ordnung, die unter den Vorzeichen des Islam steht.“

Nach Spuler-Stegmann komme es so zu einer Art neuen Religion mit alten Wurzeln.

Quelle: „Ist die Alevitische Gemeinde Deutschland e. V. eine Religionsgemeinschaft“, U. Spuler-Stegmann, Gutachten, Marburg 2003

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