Ibn Arabi (1): Das Gleichnis von den blinden Männern und dem Elefanten

Posted on 10. Januar 2013

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Muhyiddin Ibn ArabiWährend ein großer Teil der Aleviten die Zugehörigkeit zum Islam bejaht, hat er doch oft Schwierigkeiten, ihre Lehre in den Bezug zum Koran zu setzen. Dabei kann man einen rote Faden tatsächlich über den Koran, die Hadithen und die Predigten Alis über die islamische Mystik zur alevitischen Lehre finden.

Muhyiddin Ibn Arabi war ein solcher Sufi-Meister, der auch Haci Bektasi Veli beeinflusste. Hierzu soll die von Ibn Arabi vermittelte Lehre betrachtet werden. Zum Einstieg ist hier das Gleichnis von den blinden Männern und dem Elefanten zitiert werden, das Ibn Arabi auch beschreibt, dessen tatsächlicher Ursprung aber nicht nachgewiesen ist:

„Verschiedene blinde Menschen waren an einem Ort versammelt. Sie begannen, ein Thema zu diskutieren: „Wir fragen uns, ob wir einen Elefanten erkennen könnten.“ Der Wärter der Elefanten nahm sie mit zum Elefantenhaus. Ein jeder fand einen Teil des Elefanten und hielt sich daran fest – einige am Ohr, einige am Fuß, einige am Bauch, einige am Rumpf. Nachdem sie den Elefanten auf diese Weise kennen gelernt hatten, begannen sie, unter sich zu streiten. Wer das Bein des Elefanten festhielt, sagte, der Elefant sei wie eine Säule. Wer das Ohr hielt, sagte, der Elefant sei wie eine Serviette, und wer den Elefanten von dessen Bauch her kannte, sagte, er sei wie ein Fass. Kurz, sie kannten den Elefanten als den Körperteil, den sie festhielten; solcherart waren ihre Überzeugungen. Die Person, die Überzeugung durch Nachahmung hat, ist in diesem Zustand; sie hält an etwas Definitvem fest und verbleibt dort. In diesem begrenzten Zustand bleiben sie gefangen.“

Wer im Gefängnis des festgelegten Ausmaßes bleibt,

Wird, in die Erde gelegt, zutiefst bekümmert sein.

Quelle: „Der verborgene Schatz“, Muhyiddin Ibn Arabi, Bülent Rauf, Challce Verlag, Zürich 2006