Hizir Fasten („Hizir Orucu“)

Posted on 30. Januar 2013

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Die Alevitische Lehre„Dem Heiligen Hizir kommt in der Alltagsreligiösität der Aleviten eine besondere Rolle zu, die sich mancherorts, wie in der Region Dersim, mit der von Ali messen lässt. Hizir, dem Unsterblickeit nachgesagt wird, gilt als Beschützer der Reisenden und Retter der Bedrängten“ (1) So beschreibt Krisztina Kehl-Bodrogi die Bedeutung von Hizir, „Er soll den Menschen meist in Gestalt eins weißbärtigen alten Mannes mit auffallend schönen, leuchtenden Gesichtszügen erscheinen.“

In Gedenken an den Heiligen Hizir fasten die Aleviten (hizir orucu). Obwohl in verschieden Regionen die Anzahl der Fastentage variierte, hat sich inzwischen ein dreitägiges Fasten vom 13. bis zum 15. Februar durchgesetzt.  Aleviten glauben, dass er ein Gottesfreund ist und Menschen in Not hilft. Kehl-Bodrogi beschreibt, dass in Berlin überwiegend die ältere Generation den Brauch des Fastens befolgt.

Neben dem Glauben, dass Hizir Menschen in Not zur Hilfe heilt, gab es auch den Aberglauben, dass er Fruchtbarkeit bringe – sowohl auf den Feldern als auch den verheirateten Frauen- und den ledigen, jungen Frauen ihre heimliche Liebe. Manche jungen Frauen tranken am 14. Februar nichts – dann würde ihnen im Traum ihr zukünftiger (vielleicht noch unbekannter) Partner das Wasser bringen.

Der BDAJ hat einen kurzen, türkischsprachigen Video-Klip auf YouTube zu Hizir veröffentlicht: „Ein bekannter Ausruf lautet deshalb auf türkisch „Yetiş Ya Hızır!“. (deutsch: „Eile zu uns Hizir!“)

Hizir-Fest, Lupercalien und Valentinstag?

Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion nehmen für sich meist ihre Einzigartigkeit und Besonderheit in Anspruch. Oft werden vermeintliche regionale Werte und vor allem die historische Tradition bemüht um dies zu belegen. Doch immer wenn man Sachverhalte hinterfragt, ihnen auf den Grund geht, merkt man, dass nichts einizigartig ist, sondern alles mit allem verknüpft ist – viele jahrhundertelang. So stellt Erdogan Cinar in seinem Artikel „Auf der Spur des auf dem Schimmel reitenden Hizir“ (2) eine Verbindung zwischen dem römischen Fest ‚Lupercalien“, dem alevitischen ‚Hizir-Fest‘ und dem christlichen ‚Valentinstag‘. Cinar macht darauf aufmerksam, dass auch die römischen Lupercalien ein Fruchtbarkeitsfest war, das am 14. Februar gefeiert wurde. Außerdem betont er, dass Papst Gelasius I. die Lupercalien abschaffte und dann mit dem Valentinstag ersetzte – Liebe und Fruchtbarkeit sind auch hier die Schwerpunkte.

1) „Was du auch suchst, such es in dir selbst!“, Krisztina Kehl-Bodrogi
2) „Boz atlı Hızır’ın izini sürmek“, alevizyon.com, abgerufen am 1.01.13
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