Buch: „Der Untergang der islamischen Welt“ Hamed Abdel-Samad

Posted on 21. Mai 2013

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Der Untergang der islamischen Welt, Hamed Abdel-Samad

Der Untergang der islamischen Welt, Hamed Abdel-Samad

Der Politologe Hamed Abdel-Samad wagt mit seinem Werk „Der Untergang der islamischen Welt“ eine weitreichende Prognose. Er belichtet diese aus verschiedenen Perspektiven. Zuvor analysiert er die islamisch geprägten Gesellschaften, dabei kann er sein Detailwissen einbringen und verhindert den Verdacht der pauschalen Diskreditierung. Die Erkenntnisse bestechen mit einer Klarheit, die sie auch in anderem Kontext anwendbar sind.

Er stellt die Hypothese auf: „Wir sind alle gefangen in unseren Systemen, und selbst die Freiheit ist nichts außer einem Konzept von Freiheit, der uns vorgeschrieben wird“. Abdel-Samad kann sich dabei sogar auf Nietzsche beziehen: „Neugier mag in der Natur jedes Menschen liegen, doch Erkenntnis ist nicht das Ziel jedes Einzelnen, denn der Weg dorthin ist oft steinig und einsam. Und der Reiz der Erkenntnis wäre gering, ‚wenn nicht auf dem Wege zu ihr soviel Scham zu überwinden wäre‘ sagt Nietzsche.“ Der Autor meint:

Es sind immer bloß wenige, die die vorgeschriebenen Bahnen verlassen und sich auf ein neues Territorium wagen. Diese Menschen schreiben zwar bisweilen Gesichte, bleiben aber meist einsam und von der Gesellschaft verkannt; sie sind soziale Häretiker, die während ihrer Lebenszeit verflucht werden und nach ihrem Tod oft Anerkennung finden.“

Abdel-Samad kommt zu dem Schluss:

„Eine isolierte Gesellschaft lebt von Solidarität, Überwachung und Schweigen und stirbt an kulturellem Inzest.“

Dabei nennt er ganz konkrete Muster, die sich immer wiederholen: „Als der ägyptische Herrscher Muhammed Ali Pascha (1769-1848) sich in den 30’er Jahren des 19. Jahrhunderts vom Osmanischen Reich lösen und das Land modernisieren wollte, wurde er von den Europäern vor allem von den Engländern gestoppt, die sich lieber mit den Osmanen gegen ihn verbündeten […]“ Dabei geht es hier nicht um diesen speziellen Fall, das ist mal das eine mal das andere Land – vielmehr zeigt er die Mechanismen auf, die immer wieder greifen. Bereits im 8. Jahrhundert habe es bereits eine islamische Denkschule (‚mutazila‘) gegeben, die den Koran nicht als ewigen, sondern als historischen Text bewertet habe.

Abdel-Samad schreibt über Mohammed, dieser sei zunächst durch einen damals christlichen Mönch in Mekka namens Waraqa, dieser sei wiederum ein Cousin seiner ersten Frau Khadija, dabei bezieht der Autor sich auf ein Werk „Ein Mönch und ein Prophet“ von A. M. Al-Hariri (Pseudonym). In dem besagten Buch werde die These vertreten „der alte Mönch Waraqa wollte ein arabisches Christentum gründen. Dieser Mönch habe Visionen gehabt, die sich mit denen Mohammeds verwischen, so sei der Koran entstanden. Diese These wird unterstützt durch den früheren muslimischen Hadith-Sammler Al-Bukhari: „Dann starb Waraqa, danach hörte die Offenbarung auf.“ Auch der Koran berichtete von einer langen Periode der Unterbrechung der Offenbarung.“ Einer Studie zufolge, enthalte der arabische Korantext viele syroaramäische Worte, die unter arabischen Christen und in christlichen Liturgien bekannt gewesen seien, zum Beispiel heißte „huri“ Traube (und nicht „Jungfrau“).

Insgesamt ist das Buch ein guter Anlass sich mit Inhalten und auch Problemen respektvoll auseinanderzusetzen. Dabei zeigt Abdel-Samad die Komplexitität der Abhänge dar und fordert einen nachhaltigen Austausch – im Grunde zum Frieden in dieser Welt.

„Der Untergang der islamischen Welt“, Hamed Abdel-Samad, Droemer Verlag, 2010
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