Reflex der Alevitischen Gemeinde Deutschland

Posted on 1. Juni 2013

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Wann immer es scheinbare Missstände (berechtigt oder unberechtigt) in der Türkei gibt, greift ein scheinbar unsichtbarer Mechanismus und plötzlich stehen die AlevitInnen in Deutschland wieder auf den Straßen.

Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad stellt dem ehemaligen israelischen Botschafter in Berlin die Frage, warum die Diaspora emotionaler und kompromissloser ist als die Menschen zu Hause seien. Seine Antwort: „Die Diaspora hat ein schlechtes Gewissen.“ Sie wissen, dass es ihnen besser geht als den Glaubensbrüdern in der Heimat und unterstützen diese bedingungslos – als „Wiedergutmachung oder Entschädigung gegenüber der Heimat und der Familie, […] denen man den Rücken gekehrt hat“.  Abdel-Samad versucht die Muslime zu erklären, aber übertragen trifft dies auf alle vergleichbaren Menschengruppen zu:

„Ein Emmigrant kommt in der Regel mit einem bestimmten Lebensprojekt in die Fremde und interessiert sich wenig für die Umstände im Gastland. Genauso wenig interessiert sich das Gastland für das Lebensprojekt des Neuzugewanderten. Von ihm werden lediglich Loyalität und Erfüllung der Aufgabe, für die er einwandern durfte, erwartet. Viele der Hoffnungen, die Menschen in die Emigration treiben, bleiben für die meisten auch nach einem langen Aufenthalt in der Fremde, unerfüllt.  Die Wünsche nach Reichtung, Freiheit, Unabhängigkeit und Mitsprache gegen nur für sehr wenige in Erfüllung. Für arme Neuzuwanderer bleibt auch in der Fremde das Verhältnis von Armut und Reichtum unverändert. Auch wenn man in der Fremde finanziell besser gestellt ist als zu Hause, ist man hier doch wiederum meistens der Ärmere.“

Abdel-Samad betont zwei weitere Faktoren: Einerseits wollten die Emmigranten gefühlte Mängel kompensieren, andererseits wäre es die Zeitökonomie.

Die alevitische Gemeinde Deutschland reagiert reflexartig auf Entwicklungen in der Türkei – meistens mit Demonstrationen in Deutschland. Gegenüber staatlicher Einrichtungen in Deutschland verhält sie sich geradezu loyal. Kritik wird höchstens in Form von Pressemitteilungen geäußert mehr nicht. Die alevitische Gemeinde zeichnet ein falsches Selbstbild in Deutschland. Schade.

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