Sari Saltik (Baba Saltuk)

Posted on 20. Juli 2014

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In der Arbeit „Über Sytzigan – Baba Syrgiannes – Baba Saruca – Saltuk Et-Türki Alias Sari Saltik“ kritisiert Vatan Özgül zunächst unterschiedliche Herangehensweisen in der Betrachtung der Historie: „Die Untersuchung des geistigen und des sozialen Lebens der Heiligen der Aleviten und der Bektaschi, die Beschreibung ihrer wahren Lebensgeschichten ist von zahlreichen Schwierigeiten geprägt. Die Themen werden in erster Linie über vorhandene Paradigmen, nämlich über stereotype Gedanken, über Informationen, die bis heute vorgebracht wurden und von denen man annmmt, dass sie wahr wären, behandelt und sie werden mit vorbehaltloser Akzeptanz untersucht […]“

„Im Grunde genommen beruhren die Arbeiten über Sari Saltik auf Informationen, die aus den legendenhaften Werken wie Saltikname und der Heiligenvita von Haci Bektas Veli sowie aus der Selcukname von Yazicizade Ali stammen, wobei sie durch keine zeigenössische Quelle oder Dokumente bestätigt werden können. Es ist jedoch möglich, die historische Identität von Sari Saltik ausgehend von zeitgenössischen Schriften zu analysieren.

Daher legte man hierbei die bekannten Paradigmen beiseite und tat so, als ob man hierüber gar nichts wüsste – d. h., hier wurde der Versuch unternhommen, die historische Identität von Sari Saltik durch Neuinterpretationen und durch Heranziehung zeitgenössicher Quellen darzulegen. In diesem Zusammenhang wurde dargelegt, dass Sari Saltik in Wahrheit nicht wie angenommen, ein Heiliger aus Anatolien war, vielmehr war vermutlich jemand, der eine Weilte in Anatolien gelebt hat und eigentlich aus einer Kiptschak bzw. Kumanen-Familie stammte und aus der Steppe der Kiptschaken/Dobrudscha (Dest-i Kipcak/Dobruca) kam. In griechischen (byzantinischen) Chroniken kommt sein Name – im Sinne der Onomastik – fehlerhaft vor, woraus jedoch geschlussfolgert wurde, dass es sich bei diesen fehlerhaften Angaben in Wahrheit um einen türkischen Namen handelte. So wird in griechischen Chroniken über die betreffende Person gesagt, dass er eindeutig ein Türke (Kumane) sei. Das heißt, dass sein Name ebenfalls türkisch sei. Man kam zu dem Schluss, dass sein wahrer Name oder sein alltäglicher Spitzname Sari/Saru oder Sarica/Saruca war, dass er seinen Namen als Saltik/Saltuk hingegen aufgrund seiner spirituellen Berühmtheit erlangte oder dass es sich um einen Namen oder Beinamen handelte, den man ihm gab. Fragen über Sari Saltiks Geburtsort, Geburtsdatum, Todesjahr und Todesort sind inzwischen klar beantwortet worden. Es hat sicher herausgestellt, dass er um das Jahr 1229/1230 n. Chr. auf die Welt kam und um das Jahr 1297/1298 verstorben ist. Bei dem Ort, in dem er zur Welt kam und um wo er aufwuchs, handelt es sich um die Region Dobrudscha, um die Steppe der Kiptschaken.

Er gründete im heutigen Rumänien, in der Ortschaft Ishaca, die in der Nähe der Stadt Tulcea (Tulca) liegt, sein Derwischkonvent (dergah), und ist auch in Rumäninen, in Babadag, begraben. Nur mit Unbestimmtheit kann gesagt werden, dass er zwischen 1241 und 1263 in Anatolien, in der Nähe der Stadt Usak gelebt hat, jedoch hat man bis jetzt keinen objektiven Nachweis über die Tatsache liefern können.

Außerdem wurden Erkenntnisse darüber geliefert dass er, anders als angenommen, ein Heiliger gewesen sei, der Verbindungen zu der Karmati-Ismali Bewegung pflegte, welche zur alevitischen Strömung zugerechnet und als eine esoterische Tradition des Islam verstanden wird, jedoch auch durch den Haydari und/Oder Rifaiyya (Rifai)-Orden beeinflusst gewesen sein könnte. Es erwies sich als sehr wahrscheinlich, dass der Sari-Saltik-Kult nach Anatolien nicht von ihm persönlich, sondern nach dessen Tod durch seine Nachfolger/seine Gesandten gebracht wurde.

 

Quelle: „Über Sytzigan – Baba Syrgiannes – Baba Saruca, Saltuk Et-Türki Alias Sari Saltik“, Forschungszeitschrift über das Alevitentum und das Bektaschitentum 8/2103, Hg.: Das Alevitisch-Bektaschitische Kulturinstitut e. V.

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